VfB

Lieber Thomas Hitzlsperger (oder ein paar Worte zur Philosophie)

Kurzes Vorwort: Am gestrigen Montag (14. Mai 2018) fand zum ersten Mal der 11Freunde Saisonrückblick in Stuttgart statt. Im Theaterhaus waren neben dem gastgebenden Philipp Köster der Sky-Moderator Kai Dittmann und die VfB Legenden Karl Allgöwer und Thomas Hitzlsperger zu Gast. In einer kurzweiligen Veranstaltung sprachen sich die vier einmal kreuz und quer durch die Saison, über den Videoschiedsrichter, den HSV Abstieg, viele weitere Themen und natürlich den VfB Stuttgart.

Unabhängig von Vereinen kam das Gespräch auf „was ist eine Philosophie für einen Verein“. Natürlich ist in dieser Runde die Zeit zu kurz, sich länger mit dem Thema zu beschäftigen. Kai Dittmann begann auszuführen, dass Vereine mit einer Philosophie immer noch Erfolg haben und sich – natürlich auch mit ein zwei Euro im Hintergrund – etablieren und vor allem Erfolg haben können. Thomas Hitzlsperger nahm hier den Faden nochmals auf und fragte Kai Dittmann was und ob der VfB eine Philosophie hatte, zum Beispiel im Meisterjahr 2007 oder auch jetzt. Gab zu bedenken, dass man ja nicht immer einen richtigen Trainer finden könne. Und vor allem, dass sich mit jedem Trainer die Philosophie ja ändern kann, sprich der neue Trainer wieder neue Spieler haben möchte und alles wieder über den Haufen geworfen wird. Und genau an diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich eben nicht beim BrustringTalk bin und leider mal nicht kurz was dazu sagen kann, auch wenn es eigentlich raus musste. Und deswegen über diesen Weg hier:

Lieber Thomas Hitzlsperger,

erst einmal: es ist schön, dass ein ehemaliger Spieler wie Du, der weit über den Tellerrand blicken kann, heute beim VfB ist. Und ja ich glaube, die jungen Spieler können genau von Menschen wie dir viel mitnehmen. Und wir alle würden uns freuen, wenn zukünftige Talente länger bei uns bleiben können und nicht wie von Karl Allgöwer erzählt „der geht mir hier kaputt“ (Karl-Heinz Förster über Timo Werner) aus unterschiedlichsten Gründen der Verein verlassen (müssen). Viel Erfolg dafür.

Ich möchte gerne den Faden aufnehmen beim Punkt „Philosophie“ und das mit jedem Trainerwechsel diese über den Haufen geworfen ist oder wir. Du hattest selbst den Trainerwechsel beim BVB von Bosz zu Stöger hin als unglücklich bezeichnet. Weil zuvor eben immer nach vorne gespielt wurde, Ballbesitz und dann kam Stöger mit seinem defensiven Fußball. Ja, es war eine Veränderung der Philosophie – es war kein Fehler von Stöger, sondern des BVB hier diesen Bruch zu riskieren. Kurzfristig mag es den Erfolg (CL Quali) gebracht haben, mittel- und langfristig wird sich zeigen, wenn wir wissen wer der neue Trainer ist. Wird das „alte“ Konzept, die bisherige Philosophie von Tuchel und Bosz wieder aufgenommen, weitergeführt oder bleibt der BVB bei der Ausrichtung von Stöger.

Aber und jetzt kommen wir zu dem was ich gestern am liebsten in die Runde gerufen hätte: eine Philosophie sollte nicht der Trainer vorgeben oder von ihm abhängen, sie sollte von der sportlichen Leitung vorgegeben werden, sie sollte vom gesamten Verein gelebt und durchgezogen werden. Von den Jüngsten im Verein bis hin zu den Profis in den Bundesliga-Stadien. Ja, das ist nicht einfach und vermutlich auch ein bisschen Fußballromantik. Aber ich glaube, dass es funktionieren kann. Beispiel, der symbadische Klub des SC Freiburg. Die lassen sich (gefühlt) nicht von ihrem Weg abbringen, haben ein Trainer der schon lange im Verein ist, der schon die Jugend trainiert hat. Der Verein fällt nicht bei einer Negativserie um, hält Christian Streich die Stange und sie bleiben in der Liga. Sie verlieren wieder Spieler wie Kempf, sie werden wieder junge Spieler nachziehen. Und wenn Streich einmal nicht mehr auf der Trainerbank sitzt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Jugendtrainer des SC dort Platz nimmt. Ich glaube, der SC verfolgt einen mittel- und langfristigen Plan und das ist meiner Meinung nach eine Philosophie. Eine gelebte Philosophie.

Natürlich wird so etwas – die schönsten Pläne können scheitern, wenn der Druck und die Negativserie zu groß wird – gerne mal über den Haufen geworfen. Spieler können nicht mehr mit dem Trainer, Spieler nicht mit anderen Spielern, was auch immer schief läuft, manchmal müssen Vereine reagieren und die schöne mittel- und langfristige Philosophie über den Haufen werfen, weil der Abstieg droht, das Verpassen der CL, was immer die Gründe sein mögen. Nun sollte es aber meiner Meinung nach so sein, dass der Verein sich eben genau den Trainer sucht, der zu dem passt was sich der Verein vorstellt. Und eben nicht einen Trainer der alles anders machen will, der alles was in der Jugend gespielt wird über den Haufen wird und den Verein komplett umbauen will. Das sollte von der sportlichen Leitung und vielleicht auch ein bisschen von einem Leiter des NLZ mit vorgegeben werden, die DNA des Vereins. Idealerweise würde ein Trainer wie Tedesco (den der VfB hat ziehen lassen) vielleicht diese Position übernehmen, der schon da ist. Zum Retten der Saisonziele die letzten Spiele Beton anrühren? Geschenkt. Natürlich. Aber spätestens zur nächsten Saison wieder versuchen die Philosophie (welche es auch immer sein mag) mit Leben auszufüllen.

Das kann alles nur funktionieren, wenn es eine Kontinuität im Verein gibt – wir beim VfB hatten sie leider nicht. Bobic, Dutt, Schindelmeiser und jetzt Reschke haben alle ihre Ansätze gehabt. Ob der Plan von Jan Schindelmeiser aufgegangen wäre – wir werden es nie erfahren. Ob der neue Plan, die Philosophie von Michael Reschke funktioniert und aufgeht – wir werden es hoffentlich erfahren. Ja, ich bin ein großer Kritiker von ihm gewesen und auch von Wolfgang Dietrich. Wenn die zwei es aber schaffen, zusammen mit Menschen wie dir im NLZ, dem Verein eine Philosophie zu geben und diese zu leben – dann bin ich der Erste der seinen Hut zieht und ich kann auch Entschuldigung sagen.

Ich hoffe Du liest die Zeilen und würde eigentlich genau diese Diskussion sehr gerne weiterführen.

Viele Grüße,

Martin

VfB

They say jump you say how high

Wir kennen alle das Sprichwort von dem Pferd, das nur so hochspringt wie es muss. Der VfB kommt einem mal wieder vor wie genau dieses Pferd. 37 Punkte waren erreicht und vor allem aus Richtung Reschke kamen Sprüche wie „wir haben mit dem Abstieg nichts mehr zu tun“ und damit quasi die Saison für beendet erklärt hat. Es folgte das 1:1 gegen Hamburg. Gegen Hamburg. Einigen Spielern merkte man den fehlenden Willen, den fehlenden Biss an. Die Wochen zuvor konnte man oftmals noch spüren, dass die Jungs das Spiel gewinnen wollten. Gegen Hamburg war davon wenig zu spüren. Es war meiner Meinung nach mehr drinnen. Es wären die 40 Punkte gewesen.

Die Woche drauf wollte man was in Dortmund mitnehmen. Die erste Halbzeit war das okay, aber wie oft nicht sonderlich zwingend. Keine Torchancen. Da bringt es dir nichts, wenn man ganz gut mitgehalten hat, ein Übergewicht hatte – am Ende steht ein 0:3. Und natürlich ist das 0:2 kurz nach der Pause nicht optimal. Aber ein Aufbäumen, der Wille noch was mitzunehmen war wieder nicht da.

Und da stehen wir nun – weiterhin stehen wir gut da, mit 38 Punkten, am 29. Spieltag. Es müsste viel schief gehen, dass wir den Platz von Mainz 05 auf der Relegation noch einnehmen. Trotzdem werden die nächsten Spiele für mich sehr interessant. Sie werden zeigen, ob Korkut die Spannung hochhalten kann – die Woche war ja schon wieder von den 40 Punkten zu lesen, die er so schnell wie möglich erreichen möchte. Und vor allem werden sie zeigen ob die Mannschaft auch mal ein Stück der VfB DNA ablegen kann. Die DNA, die immer dann, wenn es halbwegs läuft, den Schlendrian einkehren lässt, die den Gang zurückschaltet, die es schafft, dass man statt mit 100% nur noch mit 90% auf dem Platz steht. Man könnte sagen, dass es doch nichts macht, wenn man jetzt nichts mehr holt, weil es wird reichen. Das mag punktetechnisch stimmen, aber von der Stimmung für die nächste Saison kann es nicht gut sein, die letzten Spiele nur noch ein oder zwei Punkte zu sammeln.

Es kommen nun mit Hannover 96 und Werder Bremen Mannschaften die schlagbar sein müssten. Nur unterscheidet diese Teams etwas von uns, sie brauchen noch Punkte. Es wird ein Fingerzeig, in welche Richtung die Mannschaft geht und ob wir im Herbst den nächsten Trainerwechsel haben oder aus dieser Dauerschleife rauskommen.

Und ändert Korkut wenn der Klassenerhalt sicher ist auch mal was an der Aufstellung? Probiert er mal was aus? Die meisten VfB Fans dürften sich einig sein, dass der Zweck die Mittel geheiligt hat und die Punkte Korkut mit Aufstellung und Taktik Recht gegeben haben. Für die neue Saison dürfte das auf Dauer zu wenig sein. Wie Badstuber schon sagte „Irgendwann müssen wir mehr spielen.“ Ein großen Teil dazu wird Reschke beitragen müssen. Er ist gefordert, er muss liefern. Selten hatte ein Sportdirektor mehr Planungssicherheit als er und vermutlich auch keiner vor ihm so viel Geld zur Verfügung.

Darum werden für mich die letzten Spiele der Saison sehr interessant, interessanter vielleicht als es durch die Tabellensituation aussieht. Es können, nein es müssen die Weichen gestellt werden für das zweite Jahr in der Bundesliga nach dem Aufstieg und zwar von der Mannschaft, dem Trainer und dem Sportdirektor.

VfB

Reschke und der VfB: Nichts dazu gelernt und den Rest vergessen

Es gibt Dinge, die lassen einen fassungslos zurück. Beim VfB häufen sich diese Dinge in letzter Zeit leider recht oft und Michael Reschke hat dem Ganzen mit dem letzten Interview/Artikel im Kicker noch die Krone aufgesetzt. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll, man weiß gar nicht ob es einfach nur die pure Inkompetenz ist, ob es ignorant ist, überheblich – ich weiß es einfach nicht.

Fangen wir mal mit dem inhaltlichen an. Der VfB wechselt während der laufenden Saison den Trainer und holt danach mit einem neuen Trainer aus den ersten Spielen ein Unentschieden und zwei Siege. Fügen Sie hier bitte tosenden Applaus ein. Das hat es noch nie gegeben. Generell, dass nach einem Trainerwechsel die Mannschaft auf einmal punktet ist eine neue Erfindung und ja, dass kann sich definitiv Michael Reschke auf die Fahnen schreiben. Hat die Bundesliga so noch nicht erlebt. Spoiler für Herrn Reschke: Gab es schon in der Bundesliga und beim VfB zigfach. Babbel, Gross, selbst Kramny konnten zu Beginn punkten – die anschließenden Talfahrten sind bekannt. Kramny ist ein schönes Beispiel. Wir erinnern uns an die Rückrunde 2015/2016 – es läuft, die ersten Spieler (Kostic) träumen quasi von Europa. Zu dem gleichen Zeitpunkt standen wir unter Kramny mit 28 Punkten einen Platz besser da. Das Ende ist uns allen bekannt. Es benötigt also schon eine große Portion Ignoranz, die jüngere VfB Geschichte so auszublenden. Und wer nach ernsthaft drei Spielen denkt, dass jetzt alles läuft und man Kritik einzustellen hat, der hat gelinde gesagt generell vom Fußball überhaupt nichts verstanden.

Dazu dieser süffisante Unterton, man habe ja natürlich richtig gehandelt und natürlich gewusst was man macht. Das ist ein Nachtreten auf Kindergartenniveau, den Kritikern nach drei Spielen quasi kindisch die Zunge rausgestreckt „nänänänä – wusste ich doch“. Dass Reschke damit eine sehr sehr große Fallhöhe erzeugt, für das nächste Tief der Mannschaft, versteht er nicht. Genauso wenig wie er generell überlegt welche Auswirkung seine Worte haben könnten. Empathie, ein Gefühl für die Situation. Jetzt läuft es drei Spiele gut, dann genieße ich das doch für mich und bin einfach mal ruhig. Wenn ich die Klasse gehalten habe, dann kann ich mich hinstellen und lospoltern, aber nicht mit 27 Punkten. Vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Mit dieser Mannschaft, die so eine super Mentalität hat.

Wait. Super Mentalität. VfB. Von unseren weiß-roten Jungs kann Reschke da unmöglich gesprochen haben. Reschke nimmt damit die Mannschaft ungeschickterweise in Schutz. Vergessen die Leistungsverweigerungen von Mainz und Schalke. Und da braucht keiner mit der Taktik vom Trainer zu kommen – wer Null Einsatz in den Spielen zeigt und gegen den Trainer spielt, der hat eine Mentalität. Ja, aber eine fragwürdige. Dass die Herren jetzt auf einmal wieder mehr laufen können und es mal wieder ein paar Spiele geht – ganz tolle Mentalität. Wir sprechen darüber wieder beim nächsten Tief, bis der nächste Trainer wackelt.

Und dann noch was ganz wichtiges Herr Reschke, vielleicht muss ich Ihnen das als Rheinländer mal sagen. Wir Schwaben leben (bis auf wenige Ausnahmen) das schwäbische Understatement sehr. Wir haben Geld, wir haben Erfolg, wir zeigen es aber sehr wenig, das macht man nicht. Das ist eine schwäbische Tugend, damit sind wir ganz gut gefahren. Ich weiß nicht wie gut es im Umfeld (Sponsoren) ankommt, dass da einer ist, der einen auf dicken Hose macht, wenn es mal ein paar Spiele läuft. Einige Firmen im Stuttgarter Umfeld sind gar stark pietistisch geprägt. Sollten Sie sich mal damit beschäftigen. Nur so als Tipp.

Und dann könnte es noch gewollter Krawall sein. Es könnte die eine Linie gemeinsam mit Wolfgang Dietrich sein, wenn man die kritischen Fans nun doch endlich bittet Vernunft anzunehmen und auf die gute Seite zu kommen. Man habe – wie auch Dietrich – ja sehr viel Zuspruch erhalten. Kicker-Umfragen, Meinungen auf Facebook, Meinungen auf Twitter – alles nur ein bisschen Gegenwind in den sozialen Medien. Nichts wildes. Es geht darum die Fans offensichtlich in gut und böse einzuteilen. Krawall-Rhetorik, wie auch schon mit den Vollidioten. Seid ihr nicht mit uns, dann seid ihr gegen uns und ihr seid die Bösen. Es ist Trump-Style und leider generell gerade angesagt so auch mit kritischen Tönen umzugehen. Man könnte sich mit der Kritik auseinandersetzen, das würde helfen, die kritischen Stimmen vielleicht zu überzeugen. Oder man wählt den Reschke und Dietrich Weg. Spalter eben, aber das wussten wir ja eigentlich schon.

VfB

Jetzt ist doch alles wieder gut!

Wer immer Kritik an den Granden des VfB Stuttgart generell nicht leiden kann und auch nicht nachvollziehen kann, dass man sich überhaupt negativ oder kritisch äußert. Wer denkt, dass nur ein guter Fan ist wer „die Klappe hält und den VfB unterstützt“, der möge doch bitte einfach den Tab im Browser schließen und was anderes tun – aber auf keinen Fall weiterlesen.

Das sollte ich unbedingt vorausschicken, da sich in den letzten Tagen wieder leider die zähe und unnötige Diskussion eingeschlichen hat, wer ein guter Fan oder wer ein schlechter Fan ist. Es wurde geteilt in gute Fans, die auch in den unruhigen Zeiten beim VfB alles akzeptieren, selbstredend weiter ins Stadion gehen und 100% die Mannschaft unterstützen, aber keinerlei Kritik äußern, weil das jetzt ja auch nichts mehr bringe und eben eine Entscheidung natürlich jetzt auch einfach akzeptiert werden muss. Ich nenne es die aoMV Rhetorik. Zusammenhalt wird eingeschworen, sogar per Mail vom großen Häuptling – als ob die Fans genau das nicht die letzten Jahre sowieso immer getan haben. In den vielen Jahren in denen es knapp am Abstieg vorbeiging, in der Abstiegssaison und natürlich in der zweiten Bundesliga. An der Unterstützung kann es nun wirklich nicht gelegen haben, dass es die letzten Jahre tendenziell immer wieder einen kleinen Schritt nach unten ging. Und alle die eine kritische Stimme haben, Entscheidungen hinterfragen, die sind die schlechten Fans, die die dazu führen, dass es dann schlecht läuft? Ich kann es nicht mehr hören.

Ich sehe mich und den VfB wie eine Beziehung an, die längste die ich führe. In meiner Familie war Fußball – oder in Stadion gehen – nicht wirklich ein Thema, trotzdem hat mich in den Achtzigern der VfB Virus infiziert – keiner weiß woher, aber es war da und ich durfte dann Dank meines Onkels zum ersten Mal ins Neckarstadion. Unvergesslich. Karl Allgöwer hat getroffen. Fünf VfB Tore. Unvergesslich und prägend. Da wollte ich wieder hin, immer und immer wieder. Und da bin ich hin, immer und immer wieder – zum Leidwesen meiner Mutter, die es nicht so prima fand, dass der Bub bei Regen, im Winter in der Kurve stand und gerne mal neben einem Sieg auch noch ne Erkältung mit heim gebracht hat.

Ja, das ist eine langjährige und sehr intensive und emotionale Beziehung. Und in Beziehungen gibt es gute und schlechte Tage. Trotzdem findet man immer wieder zusammen, rauft sich zusammen. Und ich habe dem VfB schon viel verziehen, z.B. Winfried Schäfer um nur mal ein großes Highlight zu benennen. Es gibt dann die Zeiten in denen man sich entfernt, die Liebe nicht ganz so innig ist. Ich würde behaupten es ist normal in einer Beziehung. Oftmals hatte man dann schon während der Saison die Gedanken „ach nächste Saison hole ich mir keine Dauerkarte mehr, ich hab keinen Bock mehr“, um sich dann aber bei der Frage „und, bist du wieder dabei“ natürlich mit „Ja“ antwortend ertappt.

Mit dem Abstieg wurde die Beziehung noch einmal intensiver als die Jahre zuvor. Mit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf gab es etwas, was es viele Jahre nicht mehr gab, es war endlich mal wieder ein VfB zu erkennen, der für etwas stand. Das letzte Mal waren das gefühlt die ersten Jungen Wilden – auch wenn diese aus der Not geboren wurden. Sie gaben dem VfB ein positives Gesicht und eine Ausrichtung. Der Verein ist meiner Meinung nach endlich wieder für etwas gestanden und bekam eine Identität. Es hat sich gut angefühlt. Und dieses zarte Pflänzchen wurde in den letzten acht Monaten von der aktuellen Führungsriege (Hallo Herr Dietrich, Hallo Herr Reschke) ziemlich jäh kaputt getrampelt. Die Hoffnung endlich aus der Vielzahl der Trainerwechsel, aus einem gesichtslosen und austauschbaren Kader von x-beliebigen Spielern rauszukommen, waren wieder dahin. Und das hat für mich persönlich ganz viel kaputt gemacht und eine große Distanz in die Beziehung gebracht. Den Sieg gegen Gladbach oder auch das Tor gegen Wolfsburg habe ich emotionslos hingenommen, ein kurzes Kopfnicken, mehr war es nicht. Es ist vorsichtig gesagt gerade etwas abgekühlt zwischen uns zwei.

Und die vier Punkte aus den letzten zwei Spielen – es ist doch alles wieder gut und der Trainerwechsel hat sich gelohnt? Nein, ich lasse mich nicht von den zwei Spielen beeindrucken – die wirklichen Gradmesser kommen auch noch. Augsburg, Frankfurt – beides Mannschaften die das Momentum eher auf ihrer Seite haben. Nichts gegen Wolfsburg und Gladbach, aber beide Teams waren auch nicht in ihrer besten Verfassung, was z.B. Werder am Sonntag Abend bewiesen hat. Ich ärgere mich viel mehr über die Mannschaft, die nach dem Trainerwechsel wieder mehr laufen kann, wieder aktiver ist – der vorherige Trainer hat es ihnen bestimmt nicht verboten. Ein Muster, welches bei fast jedem Trainerwechsel sichtbar wird. Natürlich ändert ein neuer Trainer etwas an der Taktik, an der Aufstellung – nur das alleine erklärt keine Arbeitsverweigerungen wie zweimal gegen Mainz 05. Und wenn der VfB die Klasse halten sollte, meine Kritik und der weiterhin kritische Blick auf die Herren Dietrich und Reschke wird bleiben. Und nein, das macht mich nicht zu einem schlechten Fan. Sondern einem, der nicht alles hinnimmt, was er vorgesetzt bekommt.

Und die Beziehung wird sich auch wieder ändern, es braucht einfach noch Zeit.

VfB

Führungsloser VfB Stuttgart

Erst einmal nochmals vorneweg: Alles Gute und viel Erfolg beim VfB Stuttgart, Tayfun Korkut. Dazu das notwendige Quäntchen Glück und was sonst noch zu einem erfolgreichen Trainerjob dazugehört. Das alles wünsche ich wirklich ohne jegliche Ironie.

Vermutlich liest Korkut besser nicht nach, was in den sozialen Medien über ihn geschrieben worden ist. Und ja, sein Lebenslauf macht es einem auch sehr schwer positive Ansätze in seiner Verpflichtung zu sehen. Hannover 96, 1. FC Kaiserslautern und Bayer Leverkusen – ruhmreich oder erfolgreich war keine seiner Stationen. Wir hatten schon einmal einen Trainer (gut vermutlich noch ein paar mehr), der nicht direkt mit offenen Armen aufgenommen worden ist, Armin Veh. Der Vergleich hinkt vielleicht ein bisschen – aber vielleicht passiert ja was mit dem wir alle nicht rechnen und der VfB rettet sich noch irgendwie. Strohhalm und so.

Kommen wir zu meinen speziellen Freunden Wolfgang Dietrich und Michael Reschke. Die „sogenannten“ Führungskräfte beim VfB. Ihr seid es nicht, in jedem sinnvoll geführten Wirtschaftsunternehmen würde man euch vor die Türe setzen. Führung, was stelle ich mir da vor. Nehmen wir als Beispiel einen ganz wichtigen jungen und dynamischen Angestellten einer Firma. Dieser kommt zu seinem Vorgesetzten, weil er aktuell eine Phase hat in der erst nicht mehr gut läuft. Das Team zieht nicht mehr mit, die Ergebnisse waren auch schon besser. Die Führungskraft weiß aber, dass es dieser Angestellte fachlich total drauf hat (menschlich soweit man es feststellen konnte auch). Der Außenwelt wurde inklusive dem Chef von der Firma auch mitgeteilt, dass man mit dem wichtigen Angestellten lange und gut zusammenarbeiten möchte. Dieser Angestellte kommt nun eben zur Führungskraft, etwas ausgepowert, etwas entmutigt – was tue man? Logisch, man nimmt dieses Gespräch natürlich direkt zum Anlass, den Angestellten vor die Türe zu setzen – natürlich noch einstimmig vom Vorstand beschlossen. Genau das Herr Reschke und Herr Dietrich ist Führung nicht. Die wahre Führungskraft sucht das Gespräch mit ihm, sucht Möglichkeiten wie der Angestellte unterstützt werden kann, sucht das Gespräch mit den Mitarbeitern des Angestellten, hört sich Vorschläge an, ob es im Team des Angestellten vielleicht Veränderungen geben müsste.

Und was machen natürlich unsere Leuchten aus Bad Cannstatt? Klar, die Option, endlich Hannes Wolf vom Hof zu jagen – auf den Moment, so hat man das Gefühl, wurde nur gewartet. Das erste Grummeln im Stadion, die ersten negativen Stimmen, das Gespräch mit dem Wolf – die Einladung für den Rauswurf. Anstatt Wolf den Rücken zu stärken, rauszufinden, zu wem der Draht im Team nicht mehr da ist, was man da dagegen tun kann – durch so eine Krise (die erste wohlgemerkt) gemeinsam gehen.

Und nun? Die komplette Euphorie, die gute Stimmung ist – gelinde gesagt – im Arsch, Kader, Trainerteam sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Vielleicht retten wir uns irgendwie, vielleicht auch nicht – es bleibt so oder so ein Scherbenhaufen – eine Entfremdung von Fans und Verein. Noch einmal zweite Liga werden die Fans und das Umfeld mit dem VfB so nicht mitgehen und dafür trägt Wolfgang Dietrich den größten Anteil, gefolgt von Michael Reschke.

Für mich bedeutet das: kein Stadionbesuch mehr so lange diese  Zwei den Verein führen. Wer ernsthaftes Interesse an einer Dauerkarte im Block 41A hat, möge sich bei mir melden – eine Spende für eine soziale oder sonstige sinnvolle Einrichtung wären eine schöne Sache und würden damit noch was Gutes tun.

Bis dahin bleibe ich fassungslos zurück, wie der VfB Stuttgart innerhalb so kurzer Zeit mit Vollgas an die Wand gefahren wurde.

VfB

Danke Hannes!

Wenn an einem Sonntag Mittag um 12 Uhr der Akku von deinem Smartphone schon auf 50% ist, dann weißt du in der Regel, dass beim VfB mal wieder was außergewöhnliches passiert ist. In diesem Falle: außergewöhnlich dumm. Nach dem dritten Spieltag der Rückrunde wurde Hannes Wolf entlassen. Michael Reschke wurde zwar direkt nach der Niederlage gegen Schalke und auch schon die Woche über nicht müde zu betonen, dass Wolf überhaupt nicht zur Diskussion stehe. Nicht einmal 24 Stunden später war das bereits Makulatur. Vermutlich hatte Wolfgang der Große seinen Daumen gesenkt und Reschke musste das nun eben ausführen – Hannes Wolf vor die Türe zu setzen. In dem Gespräch der VfB Verantwortlichen, hatte wohl Hannes selbst gesagt, dass er nicht mehr alle Spieler des Kaders erreichen würde. Das alleine ist ein Thema für sich. Der Rauswurf von Hannes Wolf, da wiederhole ich gerne Aussagen aus dem letzten Sommer, war nur eine Frage der Zeit. Durch die Entlassung von Jan Schindelmeiser war der größte Befürworter von Hannes Wolf weg.  Jetzt kam Wolfgang Dietrich die erste schlechte Phase der Saison sehr recht, um endlich Wolf aus dem Weg zu räumen und dann endlich einen Trainer seiner Gnaden einzustellen.

Zuerst einmal, natürlich war auch Hannes Wolf nicht ohne Fehler. Es gab genug Einwechslungen und Aufstellungen, die man nicht direkt nachvollziehen konnte. Und oft hat der VfB auch in der zweiten Bundesliga nicht wirklich geglänzt, aber das Ziel Aufstieg wurde erreicht. Und noch viel wichtiger, es gab wieder Euphorie um den Verein. Zuschauerrekord in der zweiten Liga, ein Run auf die Dauerkarten – ja man hatte das gute Gefühl, dass das Duo Schindelmeiser und Wolf in dem Verein endlich endlich etwas zum Positiven bewegen kann. Man hatte das Gefühl, die alten VfB Strukturen könnten endlich etwas aufgebrochen werden. Auf dem Weg zu einem etwas modernen VfB. Und für diese tollen Monate und das gute Gefühl gebührt Hannes Wolf, aber auch natürlich Jan Schindelmeiser immer noch ein herzliches Dankeschön. Wir haben seit vielen Jahren und werden vermutlich auch nicht mehr so schnell, ein so sympathisches und kompetentes (ja dazu stehe ich weiterhin) Duo an der sportlichen Führung haben, wie die Zwei. Die Zwei harmonierten von außen betrachtet sehr gut, es war eine Ausrichtung zu erkennen – und ja – verdammt noch mal, so ein Umbau dauert und hätte noch gedauert. Dass die erste Saison in der Bundesliga nicht einfach werden würde, dass es nur gegen den Abstieg gehen würde – alles völlig klar.

Der erste Bruch dann eben schon im letzen Sommer, durch die Demission von Schindelmeiser. Es kamen Verpflichtungen, die – so hatte man das Gefühl – nicht wirklich das waren, was Hannes Wolf gerne gehabt hätte. Und so  war es eben leider nur eine Frage der Zeit, bis die Neuausrichtung des VfB Stuttgart eine 180-Gradwende wurde und wir wieder genau dort stehen, wo wir in der Abstiegssaison standen. Ein Trainer pro Jahr, zusammengewürfelter Kader, Wechsel auf der sportlichen Ebene – wie bitte soll da jemals Ruhe und Kontinuität einkehren? Die Euphorie, die gute Stimmung, sie ist weg. Die Sympathieträger sind weg. Es bleiben uns Wolfgang Dietrich und Michael Reschke.  Der überforderte Sportdirektor, dessen Außendarstellung eine Vollkatastrophe ist, der sportlich immer noch nicht gezeigt hat was sein Plan ist – ist halt ungeschickt wenn man a) in der ersten Reihe steht und b) nicht das Geld zur Verfügung hat wie bei Bayern oder Bayer.

Und dann haben wir da noch die tollen erfahrenen Spieler, die jeden Beweis schuldig geblieben sind, dass sie die Mannschaft führen oder voranbringen können. Und ja, ich komme u.a. mit dem Kapitän. Hannes Wolf versuchte Anfang der Saison Christian Gentner abzusetzen – ihr erinnert euch, das erste Spiel in Berlin – eine kurzfristige Verletzung kam dazwischen. Und die Bilanz mit oder ohne Gentner ist komplett ausgeglichen. Sprich es läuft mit oder ohne ihn – oder eben nicht. Er ist ein guter Kicker, aber keiner der vorangeht, wenn es schlecht läuft. Und es dürfte nicht der erste Trainer sein, den er auf dem Gewissen hat, weil der Trainer mehr will oder es anders will, als es Gentner möchte. Und ich möchte aber die anderen erfahrenen Spieler hier gar nicht rausnehmen aus der Verantwortung: Zieler, Badstuber, Beck, Aogo, Insua, Gomez – keiner von euch ist entschuldigt solche Nichtleistungen auf den Platz zu bringen. Und ich sehe es schon wieder kommen, dass ihr unter dem neuen Trainer auf einmal wieder könnt und wollt – dafür könnte ich euch alle schon wieder eine Ordnungsschelle verteilen. So vorab schon mal.

Jetzt stehen wir hier, mit einem zusammengewürfelten Kader, bald einem neuen Trainer mit neuen Vorstellungen, mit anderen Spielern die jetzt noch kurzfristig dazukommen. Es wird es uns Fans noch schwerer machen den Bezug zum VfB behalten zu können. Auf dem Weg zu meiner Entfremdung zum VfB hat der Rauswurf von Hannes Wolf einen nächsten großen Teil beigetragen.

Ihr werdet mir langsam einfach nur noch egal.

PS: Lieber Hannes Wolf, ich konnte dich zweimal kurz persönlich treffen. Ich wünsch dir alles alles erdenklich Gute für die Zukunft. Ich bin mir sicher, dass du deinen Weg gehen wirst und ich wünsche dir einen Verein, der deine Arbeit, deine Art, dein Engagement – einfach alles das was dich ausmacht – zu schätzen weiß.

VfB

Mario Gomez ist zurück. Und was das über den VfB sagt.

Zwischen dem ersten Gerücht und der offiziellen Bestätigung lagen ja nur wenige Stunden und in der Zeit und in den Stunden danach wurde mal wieder richtig viel und großteils (wie ich finde) sehr vernünftig über die Personalie Mario Gomez geschrieben. Und es gibt zu dieser Personalien eben diese bekannten zwei Seiten der Medaille.

Fangen wir mal mit dem kleinen gemeinsamsten Nenner an: Mario Gomez kann kicken, wenn es halbwegs normal läuft noch ziemlich gut und er trifft auch gerne mal das Tor. Auch wenn er es in dem ersten Halbjahr der aktuellen Saison noch nicht zeigen konnte. Ein Treffer steht da nur auf dem Konto, aber doch, ich bin mir sicher, dass Mario Gomez noch seine Tore schießen wird beim VfB. Und ich glaube er wird auch noch 2-3 Jahre eine Verstärkung für uns sein. Ein Spieler wie er bringt einen gewissen Willen, eine Power mit das Niveau zu halten und dran zu bleiben. Das traue ich ihm zu. Der Heilsbringer ist er mit Sicherheit nicht und was natürlich ganz wichtig ist, Mario Gomez muss auch eingesetzt werden und da sieht es gerade beim VfB nicht so richtig gut aus, hier ist die Abteilung um Reschke ziemlich gefordert – ansonsten verpufft auch ein Gomez als Alleinkämpfer vorne. Er holt sich vielleicht das eine oder andere Mal mehr den Ball wie es vielleicht Terodde getan hat, aber ohne im System eingebunden zu sein, ohne die richtigen Anspiele ist auch ein Gomez ne arme Sau.

Und natürlich haben wir alle noch 2007 in Erinnerung und so ein bisschen mögen wir ihn schon noch. Manche mehr – das waren alle die gestern in Ekstase verfallen sind (es sei jedem gegönnt) und andere die halt den Wechsel zu den Bayern nie wirklich verziehen haben (auch das sei jedem zugestanden).

Nun dürften aber die Meinungen langsam auseinander gehen, das liegt nicht unbedingt am Spieler Gomez, sondern an dem was der VfB treibt und wie er es treibt. Vornweg, bei Jan Schindelmeiser war nicht alles Gold was glänzt. Überhaupt keine Frage. Da gab es Spieler wie Ofori, die nun wieder verkauft werden wollen, da gab es viele viele Leihspieler – ein Konzept von dem ich auch nicht so überzeugt bin. Aber ich konnte und kann immer noch eine Idee, ein Konzept, eine Philosophie erkennen. Junge, entwicklungsfähige Spieler mit Potential kaufen. Um sie, wenn es halbwegs gut verläuft, in ein paar Jahren mit etwas oder sattem Gewinn zu verkaufen. Und natürlich helfen dir die Spieler die da sind in der Zeit, den VfB mittel- und langfristig wieder nach vorne zu bringen. Das es nicht mit jedem Spieler geklappt hat ist normal meiner Meinung nach. Es war aber eben ein Konzept zu erkennen.

Und nun? Ich erkenne maximal ein Zick-Zack-Kurs, ein „wenn sich Konstellationen ergeben“ – für mich auf jeden Fall keine klare Richtung. Fangen wir in der Sommerpause an. Andreas Beck und Dennis Aogo mögen nette Kerle sein, aber fußballerisch haben sie uns wirklich gar nicht weitergebracht. Und vermutlich kosten die beiden auch nicht so ganz wenig an Gehalt. Mehr als die meisten der jungen Spieler im Kader. Beck kostete auch noch eine, wenn auch geringe Ablöse. Wie sind die Chancen, dass wir an einem Verkauf der beiden noch Geld verdienen könnten. Nicht vorhanden. Das gleiche Problem haben wir mit Gomez, er ist ein verdienter, erfahrener Spieler. Ablöse bei 3,5 Mio und ein, für den VfB, nicht ganz unerhebliches Jahresgehalt. Wo es genau liegt wissen wir nicht. Die Zahlen schwanken zwischen 2-3 Mio im Jahr. Er dürfte damit Spitzenverdiener beim VfB sein. Terodde wurde zu Beginn der Saison glaube ich auf 1,5 Mio angehoben inkl. der Vertragsverlängerung. Und auch bei Gomez haben wir nicht die Chance über einen Weiterverkauf nochmals Geld zu generieren.

Und das war nun ein Fehler (verdiente, nicht günstige Spieler) der in der jüngeren VfB Geschichte oft getan wurde, man sich öfters ein blaues Auge oder mehr geholt hat und aus dem man scheinbar noch nicht wirklich gelernt hat. Den man scheint es gerade ein bisschen zu wiederholen.

Jetzt mögen manche sagen, wir haben doch ausgegliedert und können uns das leisten. Genau so würde ich persönlich aber nicht das Geld einer Ausgliederung investieren, weil ich die Anschubfinanzierung eben nicht irgendwie mehren kann. Einziger Aspekt, Gomez schießt Tore, wir halten die Klasse, das hat natürlich auch einen Wert – das steht außer Frage. Bei Romero hing es ja an gut 2 Mio (wenn das stimmt). Man darf sich die Frage stellen, ob das Geld (Ablöse Gomez) nicht doch hier besser investiert gewesen wäre. Laut Reschke sollten beim Romero ja 30 Mio in 2-3 Jahren locker drinnen sein. Es wäre eben ein anderes Signal gewesen, das Fortführen des Konzeptes welches ich immer noch denke, dass es zum VfB passt und unser Weg sein sollte.

Michael Reschke hat in der Winterpause noch sehr viel zu tun. Einerseits, wir brauchen die Verstärkungen in der Offensive um den Laden wieder zum Laufen zu bekommen. Schürrle geistert heute rum – er wäre genau ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Teuer im Unterhalt, Ablöse, kein/weniger Weiterverkaufoption. Also das sind die einen Hausaufgaben die er aktuell zu tun hat. Plus mit dem Geld der Ausgliederung sinnvoll umzugehen und es nicht in weiteren Verpflichtungen a la Gomez und Beck eher zu vernichten. Und ich würde mich freuen, wenn ich endlich ein Konzept erkenne, ein Weg den Reschke und der VfB gehen – weg von dem Zick-Zack-Kurs, weg von sich ergebenden Konstellationen. Sie dürfen liefern Herr Reschke.

VfB

Romero – ein Nichtwechsel mit positiven und negativen Aspekten

Dann hat es also Stand heute (12. Dezember) mit dem Wechsel von Maxi Romero zum VfB Stuttgart nicht geklappt. Aber da es gerade bei solchen Transfers gerne mal ein Hin und Her gibt, kann es schon noch sein, dass es ein Happy End gibt, Romero zum VfB wechselt und seit Kindheitstagen in weiß-roter Bettwäsche geschlafen hat. Oder eben auch nicht. Wir werden es erleben.

Warum der Wechsel nicht geklappt hat scheint wohl eine Frage der Ablöse zu sein. Wenn das alles so richtig ist, was man in den Medien liest, drehte es sich um 2 Mio Euro und das ist doch für den VfB einfach noch eine Summe, die man auch haben muss.

10 Mio Euro war die Ablöse wohl, die der VfB Stuttgart geboten hat. Das ist in Zeiten Ablösen in dreistelliger Millionenhöhe eher eine kleine Summe, aber sind wir mal ehrlich, für einen Verein wie den VfB Stuttgart ist es eine große Summe. Es wäre die bisher höchste Ablösesumme gewesen, die die Weiß-Roten jemals auf den Tisch gelegt hätten. So bleibt es bei dem Versuch. Positiv betrachtet: Reschke und der VfB haben sich eine Schmerzgrenze gesetzt und diese nicht überschritten. Man lies sich am Ende den Preis nicht höher treiben, trotz vielleicht noch vorhandener Ausgliederungsmillionen. Die Jungs mit dem Brustring brauchen Verstärkung in der Offensive, das haben die letzten Wochen gezeigt, vielleicht wäre er der richtige Mann gewesen. 10 oder gar 12 Millionen sind für einen 18 Jährigen aber eben auch eine ordentliche Hausnummer – für allem für einen Verein wie uns. Was, wenn er nicht zündet, was wenn es nicht mit ihm klappen würde. Es wäre viel viel Geld den Bach runter. So gesehen ist es positiv zu sehen, dass das Risiko nicht komplett ausgereizt wurde mit einer vielleicht zu hohen Ablösesumme. Hypothetisch. Ich weiß.

Man hat viel gelesen „so sind die Summen heute halt“ oder „das müsse man halt heute zahlen“. Vielleicht wünsche ich mir insgeheim immer noch, dass mein VfB diesen Weg nicht mitgeht und das Ablösesummen hochschrauben Spiel nicht mitmacht. Und vielleicht eben einen anderen Weg findet um bestehen zu können. Vielleicht bin ich da immer noch etwas zu viel Fußballromantiker. Aber Hoffnung habe ich, dass man nicht alles mitmacht, nicht jede Summe zahlt – auch wenn ich mir sicher bin, dass man sich Romero auch für 12 Mio hätte leisten können. Es gab ja einen satten Gewinn zu vermelden und auch von der Daimlerkohle sollte noch etwas da sein.

Und es gibt auch negative Seiten. Thema Risiko, Thema Außendarstellung von Reschke. Kurz nach dem Scheitern des Wechsels gab Michael Reschke mal wieder ein Interview. Er hätte es mal wieder lassen sollen. Es war zu lesen, dass man so einen Transfer nur mit noch mehr Investoren hätte stemmen können. Baut da schon einer vor, bzw. betreibt hier einer schon Werbung um den Fans den nächsten Investor schmackhaft zu machen? Mitte 2018 soll der nächste Investor präsentiert werden. Die von Dietrich in den Raum geworfene Idee mit den Fonds kam nicht so gut an. Und wie kann man da nicht besser schön Wetter machen, als etwas Druck aufzubauen in die Richtung „wir brauchen das Geld, sonst klappen solche Transfers nicht“ – und vielleicht lässt sich damit das Fanvolk eben besser auch zu positiv zu einem Fond als Investor stimmen. Reine Vermutung und Spekulation meinerseits – aber es würde Dietrich ganz gut ins Konzept passen.

Was mich dann auch noch stört. Reschke sagt im gleichen Interview, dass Romero in 2-3 Jahren 30 Mio wert sein würde. Wenn, also wenn er wirklich so überzeugt von ihm ist, dann hätte man doch über den Ablösemaximum-Schatten springen können – Thema Risiko (siehe oben) – und das doch mal versuchen. Es wäre eine Investition, die sich sehr schnell, sehr ausgezahlt hätte. Genauso hypothetisch. Nur Reschke hörte sich so überzeugt von ihm an.

Vermutlich muss sich Reschke, der Perlentaucher, auch noch daran gewöhnen, dass ihm zum tauchen nicht das Equipment zur Verfügung steht, wie noch bei Bayern und Bayer. Beim VfB machen 2 Mio vielleicht eben noch mehr aus wie bei den Bayern. Mit mehr Geld kannst du halt einfach vielleicht doch noch die Perlen mehr davon überzeugen aus ihrer Muschel rauszukommen.

Gefordert ist er jetzt aber auf jeden Fall in der Winterpause die Offensive, wie auch von ihm angekündigt, zu verstärken. Perle oder Rampe wird die Frage sein.

VfB

Es ist kompliziert – Szenen einer Ehe

Meine Beziehung zum VfB gerade als einfach zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. Es ist kompliziert und es wird immer komplizierter. Das genaue Ende kann ich noch nicht absehen.  Wir sprechen aber gerade nicht vom sportlichen, sondern von dem was und vor allem wie es im Verein passiert. Wohin die Reise geht, das weiß ich selber noch nicht. Also für mich. Ob ich wie ein geschätzter Twitteruser dem VfB und dem Profifußball den Rücken kehre. Diese ganze Entwicklung trägt einen Namen: Wolfgang Dietrich.

Alle #aoMV-Ja-Stimmer-und-Hurra-Rufer mögen hier abbrechen mit lesen. Ich brauch auch kein „Mimimi, heul nicht rum, 85% (oder wie viele es waren) – akzeptiert es doch endlich“.

Es sind so viele kleine Dinge, die sich zu einem großen Berg aufbauen. Da werden natürlich tolle Zahlen genannt. Jeden Monat 1.000 neue Mitglieder. Wobei ich mich ja immer frage, wieso man noch Mitglied sein sollte, aber der VfB hat mir ja die Antwort geliefert. Vorverkaufsrecht für das Topspiel gegen die Bayern. Die Mitgliedschaft ist eigentlich sowas wie Amazon Prime, man bezahlt seine 47 Euro und kann dann vor den anderen normalen Fans sein Ticket kaufen oder versuchen zu kaufen. Bei den angepeilten 100.000 Mitgliedern wird das dann zwar auch irgendwann eine reine Lotterie, aber egal. Es scheint zu ziehen – Glückwunsch zu den 57.000 Mitgliedern. Ich gehöre ab Ende des Jahres nicht mehr dazu. Für mich war Mitglied sein mal etwas anderes.

Was geht mich mein saudumms Gschwätz von gestern an, sagt man bei uns Schwaben. Gilt für Dietrich, gilt für den VfB. Die im Erklärbärvideo angekündigten regionalen Partner müssen neuerdings gar nicht mehr so regional sein. Ach und wieso auch überhaupt Partner, könnten doch auch irgendwelche Fonds oder Investoren oder was auch immer sein – Hauptsache irgendeiner kauft mal die Anteile. Ja klar, er muss zum VfB passen, irgendwas mit Zielen sollte auch passen. Wie das bei einem Fond funktionieren soll, ich bin gespannt. Es sind diese Wortbrüche oder „Fehler in der Kommunikation“, die in letzer Zeit gerne mal auftreten. Vertrauen – ach wieso, jetzt nachdem wir die AG haben,  kann man ja am Wasen fast machen was man will. Statt 3 Jahren Vertrag für Reschke sind es 4 Jahre. Das ist kein Untergang, aber ein weiteres kleines Puzzleteil, das sich so prima zusammenfügt zu dem wie sich der VfB gegenüber seinen Fans und Mitgliedern verhält. Mit der Wahrheit oder einer Kommunikation auf Augenhöhe hat man es einfach nicht mehr so.

Wieso auch Kommunikation selbst machen, dafür hat man doch so dankbare Vasallen wie von der Stuttgarter Presse oder sogar vom SWR. Die haben alles das Prädikat „unabhängig“ schon lange abgelegt und schreiben fleißig für den Sonnenkönig von der Mercedesstraße einen schicken Artikel nach dem nächsten. Was für tolle Arbeit der Präsident doch in seinem ersten Jahr vollbracht hat. Einen schönen Artikel dazu findet ihr bei Chris Prech. Für mich war Journalismus mal irgendwas, wo man auch mal nachhakt, mal recherchiert, aber Wolle scheint den Laden, allen voran sein Kumpel Barner gut im Griff zu haben, dass da ein Gefälligkeitsartikel nach dem nächsten kommt. Kritische Stimmen oder Artikel findet man nur auf diversen Blogs. Leider.

Und wenn man mal kommuniziert oder was durchdringt, wie die Auflösung der Zweiten, dann wird schnell hinterher geschoben, dass man das noch nicht entschieden hat. Der neue Plan für den Unterbau wird im Januar 2018 bekanntgegeben. Natürlich nach der Mitgliederversammlung. Blöd wären sie ja, wenn sie das davor oder sogar dort präsentieren würden. Könnte ja für Diskussionen sorgen, das möchte doch keiner. Generell, über die Zweite sollte man diskutieren. Keine Frage. So wie diese in den letzten Jahren aufgestellt war, so macht es mit Sicherheit keinen Sinn mehr. Und ja, ich bin der Überzeugung, dass ein guter Kicker nicht den Umweg braucht, der ist mit 18 oder 19 entweder soweit, dass er in der Bundesliga kickt oder eben nicht. Ausnahmen gibt es immer, aber für die musst du keine Zweite haben. Was halt wieder nicht passt, da sind wir wieder bei der Kommunikation, dass man ja eigentlich das Ding „jung und wild“ wieder aufpolieren möchte und im Umkehrschluss dann die Zweite überlegt zu streichen. Schöner Nebeneffekt, wenn die Bundesligisten auf die Zweiten verzichten – ein ganz großer Gewinn für die Mannschaften in der 3. Liga oder in den Regionalligen. Das nur am Rande.

Findet ihr alles nicht so schlimm was ich geschrieben habe? Ist doch alles super? Euer gutes Recht und vollkommen in Ordnung. Für mich entfernt sich „mein“ Verein immer mehr von mir oder ich von ihm. Vielleicht brauchen wir zwei mal ne Pause voneinander. Vielleicht leben wir aber auch bald getrennt. Ihr werdet es erfahren.

Allgemein, VfB

Rolle rückwärts

Was war das eigentlich für eine schöne Sommerpause. Unser VfB war aufgestiegen, es gab sogar so etwas wie eine zarte Pflanze der Euphorie in und um den VfB Stuttgart. Nicht immer war die erste Saison in der 2. Bundesliga seit 40 Jahren spielerisch grandios, aber am Ende zählte der Aufstieg, es gab viele Siege zu bejubeln und man hatte das Gefühl, dass mit Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser da zwei Herren ihren Job mit Herzblut und vor allem auch sinnvoll erledigten. Sympathieträger Wolf, der bei Fans und Presse gut ankommt und Jan Schindelmeiser der einige interessante Spieler zum VfB lotste und bei dem man das Gefühl hatte, dass da mal wieder einer ist, der einen Plan verfolgt. Die #aoMV möchte ich an dieser Stelle ausklammern, aber selbst diese konnte einer doch überwiegend positiven Stimmung keinen Abbruch tun.

Die Transfers kamen langsam ins Rollen, die ersten Spieler kamen zum VfB und es waren wieder junge – hoffentlich entwicklungsfähige – Spieler. Kein schlechtes Vorgehen, an die dicken Fische kommst du als VfB zur Zeit eh nicht dran. Es wurden, zugegeben noch nicht alle Positionen besetzt, vor allem blieb die Abwehr weiterhin das Sorgenkind des VfB – wie schon die Jahre zuvor, wie schon unter Bobic und Dutt. Und natürlich ist und war unter Schindelmeiser nicht alles eitel Sonnenschein. Das Nichtbesetzen der kritischen Positionen sei hier genannt. Ein Dorn im Auge waren mir aber auch die (gefühlt) vielen Leihen und wie jeder andere Sportdirektor hatte auch Shindy so seinen Leichen im Keller. Julian Green ist zum Beispiel so ein Kandidat, der irgendwie so gar nicht gezündet hat und sein Glück nun in Fürth versucht. Auch Onguéné  ist hier zu nennen, immerhin für 2,5 Mio gekommen und nun mit KO in Salzburg nach einer Liga sucht, die seinem Tempo gewachsen ist. Ob und wie der Kader bzw. das schindelmeisersche Konzept funktioniert hätte, wir hätten es frühestens in einem bis zwei Jahren gesehen.

Die ruhige Sommerpause war dann mit zwei Wochen vor Ende der Vorbereitung zu Ende, mit der Entlassung von Jan Schindelmeiser. Zeitpunkt überraschend. Entlassung überraschend. Alles überraschend. Außer dem Gefälligkeitsartikel von Barner gab es keinerlei Signale, dass Schnindelmeiser auf der Abschussliste stand.  Auch mit einem gewissen Abstand, für die Entlassung gibt es meiner Meinung nach primär einen Grund: Wolfgang Dietrich. Warum? Dietrich konnte und wollte keinen anderen starken Mann neben sich dulden und das war der Hauptgrund für die Entlassung. Alle sonst genannten Gründe sind weder stichhaltig noch irgendwie nachvollziehbar. Zu langsame Verlängerung bei Wolf, den – tataaa – Schindelmeiser holte? Zu wenig Erfolg/Bewegung bei den Junioren? In einem Jahr reparieren was über zig Jahre zerstört wurde – bitte? Die Transfers waren es ja doch nicht oder doch – dazu gibt es auch keine einheitlichen Aussagen von der Mercedesstraße. Unbeliebt, hm, waren aber doch fast alle beim Ausstand dabei. Nein, ich bin überzeugt, der Sonnenkönig duldete niemand neben sich. Ein Präsident, der vor der offiziellen News auf der Homepage des VfB über Neuverpflichtungen berichtet. Natürlich mit ihm auf dem Bild und dem neuen Spieler – der drängt sich einfach zu stark in den Vordergrund, nimmt sich wichtiger, als ein Präsident sich nehmen sollte.

Und danach? Badstuber, der ein tolles Heimdebüt ablieferte war noch eine Schindelmeiser Verpflichtung. Ascacibar war dem VfB Scouting schon lange bekannt, sprich auf der Liste. Für Aogo brauch ich weder Netzwerk, noch überhaupt nen Sportdirektor um den zu holen, gleiches gilt für Beck. Zugegeben, die Transferphase war für Reschke jetzt nicht sehr lang – immerhin aber noch vier Wochen, aber es ist jetzt nicht so, dass man da den Hut ziehen muss vor irgendeinem Transfer. Es ist da nichts dabei oder passiert, was eine Entlassung von Schindelmeiser gerechtfertigt hätte, nach dem Motto „das hätte der Jan nicht geschafft“. Man möge Vergleiche mit Schindelmeiser vor einem Jahr ziehen, der in gut zwei Wochen mehr Transferzeit u.a. Pavard und Mané aus dem Hut zauberte und noch einige Altlasten von Dutt entsorgen konnte. Nochmal: bei Schindelmeiser gab es auch Schatten, keine Frage. Ich bleibe aber dabei, dass die Entlassung und vor allem der Zeitpunkt der Entlassung mehr als ungeschickt waren.

Bei Reschke wird ja immer sein Netzwerk hervorgehoben. Ich frage mich halt, was dir ein Netzwerk bringt, wenn du davor für Bayer Leverkusen oder Bayern München Verpflichtungen getätigt hast? Da hast du vielleicht ganz andere Kontakte, weil du mit ganz anderen Summen hantierst, wie Reschke es jetzt beim VfB tun muss.

Erstaunlich ist nebenbei bemerkt auch, dass seit der Entlassung von Schindelmeiser wieder viel viel mehr Namen durch die Presse geisterten wie zuvor. Die Maulwürfe scheinen wieder an der Mercedesstraße graben zu dürfen.

Vorbei die Ruhe, vorbei für mich auch gefühlt der Plan, das Konzept welches verfolgt wurde. Mit Beck und Aogo bewegen wir uns bei den Transfers aber wieder zurück in Bobic und Dutt Zeiten. Die Jungs mögen uns aktuell weiterhelfen, sind auch keine schlechten, aber der zuvor verfolge Ansatz hatte mir deutlich besser gefallen. Ich hoffe (noch), dass es keine komplette Rolle rückwärts ist.

Mit jedem Tag Dietrich als Präsident schwindet die Hoffnung allerdings.