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Die Geister, die ich rief

Der Aufsichtsrat wählt seinen Aufsichtsratvorsitzenden ab und stellt eine neue Person an dessen Stelle. Wenn man das Ganze unaufgeregt betrachten möchte. Das können VfB Fans und Mitglieder aber auf keinen Fall. Was am 12. März in der VfB AG passiert ist, kann man denke ich auch als Resultat des Sommer 2017 bezeichnen. Der Aufstiegssommer mit anschließender außerordentlichen Mitgliederversammlung und der Ausgliederung. Die Millionen des ersten Investors Daimler sind irgendwo in Spieler wie Beck, Aogo und Co versenkt worden – von der versprochenen Nachhaltigkeit in der Investition des Geldes – nichts zu sehen.

So suchte der VfB Stuttgart bereits unter Wolfgang Dietrich, später unter Thomas Hitzlsperger und nun unter Claus Vogt nach frischem Geld. Denn, dass der VfB mehr als finanziell angeschlagen ist, dürfte für niemand überraschend kommen. Ein ganz kleiner Anteil ging an den Ausrüster Jako, aber da darf man wirklich von Peanuts sprechen. Dietrich und Hitzlsperger konnten schon keinen großen Investor an Land ziehen, Claus Vogt versuchte es vergebens mit dem Mittelstandsbündnis. Es wurde das Weltmarkenbündnis. Neben Daimler kommt noch Porsche dazu, in einem noch größeren Gesamtumfang. Pressekonferenz, knallende Korken, Jubel, glückliche Menschen, die sich auf Pressebildern die Hände schütteln. Ein Gesamtpaket von 100 Millionen Euro. Wahnsinn. Finanziell ist es das auch – keine Frage. Kritische Stimmen haben vielleicht schon im Sommer 2023 überlegt, hmmm, das ist viel Geld und aus reiner Nächstenliebe wird das der Sportwagenhersteller gemeinsam mit der Beratungsfirma MHP wohl nicht machen. Aber, hey, diese Bedenkenträger, da braucht doch niemand.

Also, der VfB ist finanziell mehr als angeschlagen und brauchte dringend frisches Geld. Nun kommt Porsche und diese haben sich im Vorfeld, es ging ja auch um Namensrechte am Stadion, natürlich sich mit Daimler unterhalten. In den Gesprächen wird man wohl auch über den Aufsichtsrat gesprochen haben und vermutlich auch über den Vorsitzenden – Claus Vogt. Was die Investoren daraus gezogen haben ist nun offensichtlich. Sie halten den Präsidenten absolut ungeeignet diesen Job auszufüllen. Nun kommt also Porsche mit dem 100 Millionen Gesamtpaket zum VfB und es gibt, wenig überraschend für Investoren, Bedingungen die an einen solchen Deal geknüpft werden. Das werden einige sein und damit kommen wir zum Problem mit Investoren. Sie werden das nie einfach nur so machen. Sie möchten Geld oder Einfluss oder beides zusammen. Warum haben sich so viele Fankurven vehement gegen den DFL Investor gewehrt, weil das Türen öffnet und der Investor eine Gegenleistung möchte. Danke an die Fankurven, dass dieser Investorenkelch vorübergehend an uns vorbeigegangen ist. Zurück zum VfB. Porsche möchte sein Geld gut investiert und behandelt sehen, wie es mit Daimler lief hat man in Zuffenhausen auch mitbekommen. Eine Bedingung, die wohl eben auch schriftlich fixiert wurde, war ein Wechsel im Vorsitz des Aufsichtsrats. Boom. Eine Position, die der Präsident des e.V. innehaben wird – so hatte es uns bei der Ausgliederung Wolfgang Dietrich versprochen. Um es mit der VfB Pressmeldung zu sagen

Um die Vorstandsarbeit professionell begleiten, kontrollieren und fördern zu können, hat der Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG die vom e.V. entsandte Tanja Gönner zur neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

Der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart stellt sich neu auf

Was machst du als Verein, als Präsidium jetzt damit. Man wird verhandeln, Porsche (und vielleicht auch Daimler) bleiben bei der Forderung. Nun kann der Verein sagen, nein, dann machen wir das nicht. Kein Deal, kein zweiter Investor. Es wäre wohl konsequent gewesen. Kommt der Deal allerdings ans Tageslicht, dass der VfB 100 Millionen ausgeschlagen hat, den Shitstorm möchte ich nicht erleben, wobei der VfB, der Verein, dann im Sinne der Mitglieder gehandelt hätte. Nun wissen wir aber eben, dass der VfB auf das Geld angewiesen war und Porsche mit Sicherheit auch nicht lange hingehalten werden wollte. Daher traf der Verein, mit seinem Präsidenten Claus Vogt, sowie Rainer Adrion und Christian Riethmüller die Entscheidung „Ja, zum Porsche Deal“. Auf der wirtschaftlichen Seite muss man sagen, Danke dafür und Danke, dass sie, wohlwissend was das für eine Konsequenz für sie haben wird, durchgezogen haben. Das war mit Sicherheit keine einfache Entscheidung.

Dem Deal wurde nach längerem Hin und Her von der DFL grünes Licht erteilt. Die erste Tranche fließt, das Neckarstadion heißt schon MHP Arena (aua, verursacht immer noch Schmerzen). Nun wollte die Investorenseite auch die Bedingungen erfüllt haben, die man an den Deal gestellt hatte. Wenig überraschend. Wie genau der Wortlaut war, ob es eine Befragung der Mitglieder hätte geben sollen – was ich sehr bezweifle, denn der Ausgang wäre klar – das werden nur die Mitglieder des Aufsichtsrat und die Investoren wissen. So wurde Claus Vogt, als Präsident und dadurch eben Vorsitzender des Aufsichtsrats, abgewählt und mit Tanja Gönner ersetzt. Nicht wie von vielen befürchtet von einem Investor selbst. Porsche machte deutlich, dass dies eben auch nicht das Ziel ist und es eine Person aus dem Verein soll, die aber geeignet ist die Position auszufüllen. Investoren, man muss sie lieben. Gönner ist vom Verein entsandt in den Aufsichtsrat, daher eben aus dem Verein, aber nicht von den Mitgliedern gewählt. Ob sie den Job besser ausfüllt – das muss die Zukunft zeigen. Für uns Mitglieder, da gehen die Meinungen nun stark auseinander, ändert sich meiner Meinung nach nichts. Die Anteile des e.V. bleiben gleich, der Vorsitz ist in der Hand des e.V. und die Position soll auch wieder zurück zur/m Präsidentin/Präsident, wie Gönner in der Pressemitteilung selbst sagte

Ich freue mich über das große Vertrauen und die neue Herausforderung. Ich versichere allen Mitgliedern, in engem Austausch mit ihnen die Interessen des Vereins bei allen wichtigen Entscheidungen zu vertreten. Dabei lege ich Wert auf eine intensive Zusammenarbeit mit dem Präsidium und dem Vorstand. Mit den Aufsichtsratsmitgliedern unserer Partner Mercedes-Benz und Porsche bin ich der Meinung, dass in Zukunft die Idealbesetzung des Aufsichtsratsvorsitzenden ein Präsidiumsmitglied des Vereins sein sollte, das von den Mitgliedern direkt gewählt wurde und über die notwendigen fachlichen und persönlichen Voraussetzungen verfügt.

Der Aufsichtsrat des VfB Stuttgart stellt sich neu auf

Es soll wieder ein gewähltes Präsidiumsmitglied werden. D.h. wir Mitglieder haben – vorausgesetzt es gibt eine entsprechende Auswahl – es in der Hand entsprechend zu wählen. Wie das alles passieren soll, die Auswahl (Vereinsbeirat), die Wahl, das bleibt mehr als spannend. Es ist nicht weniger oder mehr Demokratie wie zuvor möglich. Der e.V. ist auch nicht am 12. März 2024 gestorben, nein, das ist er bereits im Sommer 2017 – dort wurden die Investorengeister gerufen. Das Resultat haben wir jetzt auf dem Tisch.

Das sich gestern die anderen Präsidiumsmitglieder gegen Vogt gestellt haben ist auch, da man ja eben gemeinsam Porsche ins Boot holte, verständlich und in dem Moment, da es die Vereinbarung gab, nur konsequent. Deal ist Deal, siehe oben, sonst hätte man zu Beginn nicht zustimmen dürfen. Zeigt aber auch zusätzlich, dass man nicht nur auf der Investorenseite, sondern eben auch auf der Vereinsseite (!) mit der Arbeit von Claus Vogt absolut unzufrieden ist. Die Vorwürfe, seit dem offenen Brief von Thomas Hitzlsperger, allen bekannt und von verschiedenen Personen (ehemalige Vereinsbeiräte als Beispiel) oft wiederholt, sind dann wohl nicht nur Gerüchte, sondern entsprechen der Realität – auch wenn gewisse Stellen da böse Mächte gegen Vogt herbei schreiben wollen. Es wird auf jeden Fall eine heiße und lange nächste Mitgliederversammlung, für das gesamte Präsidium.

Noch eine Anmerkung zur Pressemeldung: Das man in einer offiziellen Meldung des VfB Stuttgart, den aktuellen Präsidenten dermaßen bloß stellt, ist allerdings nochmal ein ganz anderes Thema. Man kann von Claus Vogt halten was man möchte, das habe ich so auch noch nie erlebt und ist meiner Meinung aus Kommunikationssicht nicht in Ordnung.

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