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twofourtwo x 242 / 007: Die Gegenwart und die Zukunft

Schon nach dem Spiel gegen die Bayern erzählte Gomez, dass einige Spieler mit der Taktik von Korkut nicht einverstanden waren. Auch nach dem Spiel am Sonntag gab es interessantes von der VfB-Marketing-Galionsfigur zu hören:

Ich bin sicherlich im Moment noch die Gegenwart beim VfB, aber die Zukunft sind andere Spieler.

Ich würde es jetzt nicht als Breitseite gegen Korkut interpretieren, aber ein Loblied auf ihn und seine Aufstellung auch nicht. 27,9 Jahre war die Anfangsaufstellung des VfB in Freiburg alt. Nur Gonzalez, Baumgartl, Ascacibar und Pavard konnten den Schnitt drücken. Und so wie sich die Aufstellung und der Altersdurchschnitt anhörten, hat der VfB in der ersten Halbzeit auch gespielt gekickt. Immer etwas hinterher, immer etwas zu langsam. Offensive: Fehlanzeige. Die Befürchtungen, dass Korkut mehr auf erfahrene Spieler setzt und die jungen Spieler mit Potenzial eher auf der Bank lässt, verfestigen sich leider Woche für Woche.

Der VfB war in der Rückrunde auf Sicherheit aus, im Abstiegskampf keine Schande, aber mit einem deutlich aufgewerteten Kader und einer vollständigen Vorbereitung, da sollte am 3. Spieltag in Freiburg mehr zu sehen sein. Mehr von einer taktischen und spielerischen Entwicklung. Mehr davon, dass man das Gefühl hat, der Trainer wüsste was er eben mit den Spielern für die Zukunft anfängt, wie er diese in die Gegenwart integriert und das Potenzial nutzt. Leider ist das alles nicht der Fall. Wir kicken den gleichen Stiefel wie in der letzten Saison. Nur ohne das glücklichere Ende auf unserer Seite zu haben.

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twofourtwo x 242 / 006: #manmussauchmalwasgutfinden – 125 Jahre VfB

Wenn mich was am VfB nervt, dann sage ich das. Wisst ihr ja. Ungewohnt ist es aber für die meisten von euch, wenn #manmussauchmalwasgutfinden in einem Tweet zum VfB zu finden ist. Und was ich wirklich gut finden kann ist, wie der VfB seinen 125. Geburtstag gefeiert hat. Feines Marketing, gute Bindung der Fans an den Verein und ja verdammt viel Emotionen. Aber hey, es ist Fußball, das muss so.

Angefangen von dem Jubiläumstrikot, welches mit Fans zusammen entworfen wurde. Die Heimat Bad Cannstatt und Stuttgart sind in den Trikots verewigt. Das freut den Fan natürlich und vermutlich auch den Geldbeutel des VfB – aber das ist ja nun auch nicht verwerflich. Gut, zehn Euro günstiger wäre noch etwas fanfreundlicher. Und so mehr sich das Jahr Richtung September neigte, ging es richtig los. Ein Panini-Album. Nur mit VfB Bäbbern, kein Anlass irgendwelche Robbens und Riberys enttäuscht aus der Tüte zu ziehen und direkt zu verbrennen. Shirts mit Traditionswappen hier, ein emotionales (vielleicht Pathos teilweise zu stark aufgedreht) Social-Media Filmchen dort, weiß-rot angestrahlte Gebäude, das VfB-Legenden Spiel, ein 18-minütiger „125 Jahre VfB“ Film. Es wurden alle Register gezogen, um vielen Vereinen zu zeigen, wir haben verdammt noch einmal eine Tradition und bis ihr sowas abziehen könnt, müsst ihr euch noch lange strecken.

Und als Highlight noch die 125 Jahre Jubiläumsausstellung im Mercedes-Benz Museum – mit Blick auf das Neckarstadion, mit vielen wunderbaren Ausstellungsstücken, Videos und ganz viel Emotionen.

Doch VfB, ihr macht manchmal auch einfach was richtig. Bussi!

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twofourtwo x 242 / 005: Warum immer wir? Warum immer der VfB?

Mit der nicht überraschenden Niederlage kann man nun offiziell sagen: der VfB hat den Saisonstart wieder verkackt. Wieder einmal. Den besten Saisonstart (mal den 5. Spieltag als Maßstab genommen) hatten wir unter Armin Veh 2008/09 mit zehn Punkten. Danach null, zwei oder wenn es mal gut lief sechs Punkte. Alles in allem, nicht die Punkteanzahl mit der man von Beginn an die Abstiegsränge auf Distanz halten kann. Und dann drohen sie wieder, die unruhigen Herbstwochen, die obligatorischen Trainerwechsel und das VfB-Hamsterrad dreht sich weiter.

Wer den Lösungsansatz für einen guten VfB Saisonstart gefunden hat, dem wird man in Bad Cannstatt den roten Teppich ausrollen. Für uns Außenstehende stellt sich die Frage „warum immer wir“, warum verlernt der VfB im Sommer alles was in der Rückrunde noch funktioniert hat und stolpert in die neue Saison? Profitieren die erfolgreichen Rückrundentrainer von den Vorgängern? Mario Gomez gab zum Besten, dass man gedacht habe es gehe so weiter (sic!) wie zuvor und deswegen nicht mehr vollen Einsatz zeigte. Das dürfte den VfB seit fast zehn Jahren perfekt beschreiben, die Wohlfühloase, die VfB-DNA, die zu schnell einen Gang zurückschaltet.

Es wurde in den letzten zehn Jahren alles ausgetauscht (auch mehrfach): Präsident, Aufsichtsrat, Sportdirektor, Spieler – einzige Konstante: Christian Gentner. Ist er die VfB-DNA? Ist er Erfinder der Wohlfühloase? Oder fehlt generell beim VfB in der AG der absolute Erfolgswille? Dietrich und Reschke würde ich das nicht nachsagen. So bleiben Indizien, Gerüchte, Vermutungen – aber keine Lösung. Und ein Scheiß Saisonstart. Frustrierend.

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twofourtwo x 242 / 004: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Eigentlich kann einen VfB Fan ein schlechter Saisonstart nicht mehr schocken. Wir sind es gewohnt zum Auftakt daheim gegen Köln, in Berlin oder sonstwo einfach zu verlieren. In der Regel nicht nur das erste Spiel, es folgen wenige Punkte danach. Ohne zu suchen, der letzte erfolgreiche Auftakt in der Bundesliga dürfte das 3:0 gegen Schalke gewesen sein. Unter Bruno Labbadia.

Diese Saison sollte mal wieder alles anders sein. Frühe sinnvolle Neuverpflichtungen, wir hatten Ruhe im Verein und es gab wieder ein zartes Pflänzchen namens Hoffnung. Aber der VfB wäre nicht der VfB, wenn man die ersten Spiele nicht trotzdem in den Sand setzen würde. Die Jahre zuvor hatten die Trainer immer eine, sehr berechtigte, Ausrede parat. Der Kader war nicht komplett, im Trainingslager fehlte noch die Hälfte, die letzten Verpflichtungen kamen kurz vor Ende der Transferphase – wie soll sich die Mannschaft da einspielen, wie soll man da taktische Kniffe üben. Das alles kann nun Korkut nicht behaupten, meinte aber, dass das taktische noch in der nächsten Zeit während der Saison kommt.

Neben den offensichtlichen spielerischen Problemen – es gab keine Lösung wie man gegen defensive Rostocker spielt oder wie man zu halbwegs zwingenden Chancen in Mainz kommt – wird die zentrale Frage nach der Stimmung im Team sein und ob bei Korkut wirklich das Leistungsprinzip gilt. Die hohe Qualität sollte dazu dienen, um die Plätze in der Startelf zu kämpfen – diese dürfen dann halt nicht dauerhaft und vielleicht unberechtigt belegt sein.

Do your job, Tayfun.

 

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twofourtwo x 242 / 003: Aus, aus, der Pokal ist aus

Ja, Scheiße. Oder? Da kommt im ganzen Umfeld des VfB Stuttgart mal wieder Euphorie auf, man ist zufrieden mit dem Kader, selbst ich lasse mich dazu hinreißen Michael Reschke zu loben. Und dann verkacken es die Herren im Brustring mal wieder zum Saisonauftakt. Die letzten Jahre war die erste Runde im DFB-Pokal zugegeben selten gut. Das Spiel in Cottbus vor Jahresfrist wurde glücklich im Elfmeterschießen gewonnen. Da war das Aus in Rostock spielerisch schon netter anzuschauen. Aber nett hilft dir halt nicht weiter, wenn am Ende zu wenig Chancen erzeugt werden, zu wenig zwingendes ensteht. So gibt es seit 2014 wieder ein Erstrundenaus, damals unter Armin Veh. Hoffentlich kein schlechtes Omen, wir wissen wie sich Veh verabschiedet hat und die Saison lief.

Kann das Spiel also eine Blaupause für die Saison sein? In Hinblick darauf, dass der VfB sich mit Sicherheit schwer tun wird, wenn Gegner tief stehen und der VfB das Spiel machen soll. Dagegen scheinen Trainer und Mannschaft noch kein gutes Mittel gefunden zu haben. Da aber eben die letzten Jahre oft ähnlich holprig begonnen, braucht man sich noch wirklich keine Sorgen zu machen. Didavi wird auf der Rostock-Position wohl nicht mehr oft spielen, Badstuber nicht in jedem Spiel so einen Bock schießen. Pavard und Ascacibar dürften wir bald wieder in der Startelf sehen.

Wenn man aber bedenkt, dass der DFB-Pokal aktuell die einzige Chance für den VfB ist einen Titel zu gewinnen,  dann wurmt mich die Niederlage doch noch ziemlich.

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twofourtwo x 242 / 002: You’re so fine you blow my mind, hey Micky

Habe ich Reschke für seine Transfers kritisiert: Ja. Habe ich Reschke für seine Interviews und Äußerungen in der Luft zerrissen: Ja. Kann ich meine Meinung ändern und ein kleines bisschen Abbitte leisten: Ja.

Kurz vor Saisonbeginn kann man endlich mal wieder beruhigt auf den Kader des VfB Stuttgart schauen. Die ersten Neuverpflichtungen wurden Ende letzter Saison getätigt, und zum Trainingsbeginn hatte Tayfun Korkut quasi den kompletten Kader.  Dazu macht der Kader auch einen richtig guten Eindruck. Eine gesunde Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern mit viel Potential. Spielerisch, aber auch in Hinblick später mit einem dicken Plus verkauft zu werden. Darauf bleibt ein Verein wie der VfB einfach angewiesen, um weiter voranzukommen – ausgliedern ist ja nicht immer. Wie gut der Kader wirklich  ist, ob das auf dem Platz funktioniert, ob die Spieler harmonieren und ein Team werden, wie mit Härtefällen die nicht spielen umgegangen wird, das wird die Saison zeigen.

Richtig den Hut ziehen vor Reschke – dafür ist es mir noch ein bisschen zu früh – denn ob ein Konzept aufgeht, das sieht man erst in zwei bis drei Jahren. Das Risiko  viel Geld in ältere Spieler zu stecken, die gegebenenfalls jüngeren Spielern den Platz blockieren sehe ich immer noch. Generell bleibt: An dem aktuellen Kader gibt es wenig auszusetzen. Fairerweise muss man sagen, im Gegensatz zu seinen Vorgängern hatte Reschke früh Planungssicherheit und mehr Geld zur Verfügung als Bobic und Dutt zusammen.

Korkut ist nun am Zug daraus das Beste zu machen.

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twofourtwo x 242 / 001: Was wir über bruddeln wissen – und was nicht

Totschlagargument: bruddeln. Die VfB Fans bruddeln immer, finden immer was worüber sie sich aufregen können. Spieler zu alt, Spieler zu jung, Trainer ohne Profierfahrung, Trainer mit zu geringem Punkteschnitt, Trikot doof, neuer Ausstatter doof.

Ich war so frei, ich habe mich mal umgeschaut, bei Fans von anderen Vereinen – es mag manche überraschen – es gibt es dort auch, auch dort nimmt man sich die Freiheit mal zu sagen „finde ich nicht so gut“. Dort heißt es eben nicht bruddeln, sondern vielleicht mal meckern oder einfach nur seine Meinung äußern und dann mit anderen darüber zu diskutieren. Also doch kein Verhalten, welches es nur bei VfB Fans gibt.

Warum ich auf das Thema komme? Die Woche wurde bekannt, dass Orel Mangala an den HSV ausgeliehen wird. Es gab Stimmen, die das schade fanden, andere super, es gab Stimmen die eine Tendenz Jung vs. Alt sehen konnten oder wollten. Was ich aber generell erlebt habe: es wurde sehr konstruktiv miteinander diskutiert, ob eine Leihe sinnvoll ist oder eben nicht. Ob Korkut zu viel auf Erfahrung im Kader setzt und die jungen Spieler nicht zum Zug kommen. Für alle die darin schon bruddeln sehen – vergesst es – das ist Diskussion, dafür sind wir zum Beispiel auf Twitter um genau darüber zu sprechen. Wem das schon zu viel ist, sollte sich vielleicht überlegen die sozialen Medien generell zu meiden. Und das nächste Treffen mit Freunden oder den Gang ins Stadion. Auch dort wird diskutiert. Nicht nur beim VfB.

Info: für was steht „twofourtwo x 242“? twofourtwo schreibt in 242 Wörtern etwas zur aktuellen Lage rund um den VfB. Ich hoffe halbwegs regelmäßig. Ich versuche es auf jeden Fall 😉

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VfB

Lieber Thomas Hitzlsperger (oder ein paar Worte zur Philosophie)

Kurzes Vorwort: Am gestrigen Montag (14. Mai 2018) fand zum ersten Mal der 11Freunde Saisonrückblick in Stuttgart statt. Im Theaterhaus waren neben dem gastgebenden Philipp Köster der Sky-Moderator Kai Dittmann und die VfB Legenden Karl Allgöwer und Thomas Hitzlsperger zu Gast. In einer kurzweiligen Veranstaltung sprachen sich die vier einmal kreuz und quer durch die Saison, über den Videoschiedsrichter, den HSV Abstieg, viele weitere Themen und natürlich den VfB Stuttgart.

Unabhängig von Vereinen kam das Gespräch auf „was ist eine Philosophie für einen Verein“. Natürlich ist in dieser Runde die Zeit zu kurz, sich länger mit dem Thema zu beschäftigen. Kai Dittmann begann auszuführen, dass Vereine mit einer Philosophie immer noch Erfolg haben und sich – natürlich auch mit ein zwei Euro im Hintergrund – etablieren und vor allem Erfolg haben können. Thomas Hitzlsperger nahm hier den Faden nochmals auf und fragte Kai Dittmann was und ob der VfB eine Philosophie hatte, zum Beispiel im Meisterjahr 2007 oder auch jetzt. Gab zu bedenken, dass man ja nicht immer einen richtigen Trainer finden könne. Und vor allem, dass sich mit jedem Trainer die Philosophie ja ändern kann, sprich der neue Trainer wieder neue Spieler haben möchte und alles wieder über den Haufen geworfen wird. Und genau an diesem Punkt habe ich gemerkt, dass ich eben nicht beim BrustringTalk bin und leider mal nicht kurz was dazu sagen kann, auch wenn es eigentlich raus musste. Und deswegen über diesen Weg hier:

Lieber Thomas Hitzlsperger,

erst einmal: es ist schön, dass ein ehemaliger Spieler wie Du, der weit über den Tellerrand blicken kann, heute beim VfB ist. Und ja ich glaube, die jungen Spieler können genau von Menschen wie dir viel mitnehmen. Und wir alle würden uns freuen, wenn zukünftige Talente länger bei uns bleiben können und nicht wie von Karl Allgöwer erzählt „der geht mir hier kaputt“ (Karl-Heinz Förster über Timo Werner) aus unterschiedlichsten Gründen der Verein verlassen (müssen). Viel Erfolg dafür.

Ich möchte gerne den Faden aufnehmen beim Punkt „Philosophie“ und das mit jedem Trainerwechsel diese über den Haufen geworfen ist oder wir. Du hattest selbst den Trainerwechsel beim BVB von Bosz zu Stöger hin als unglücklich bezeichnet. Weil zuvor eben immer nach vorne gespielt wurde, Ballbesitz und dann kam Stöger mit seinem defensiven Fußball. Ja, es war eine Veränderung der Philosophie – es war kein Fehler von Stöger, sondern des BVB hier diesen Bruch zu riskieren. Kurzfristig mag es den Erfolg (CL Quali) gebracht haben, mittel- und langfristig wird sich zeigen, wenn wir wissen wer der neue Trainer ist. Wird das „alte“ Konzept, die bisherige Philosophie von Tuchel und Bosz wieder aufgenommen, weitergeführt oder bleibt der BVB bei der Ausrichtung von Stöger.

Aber und jetzt kommen wir zu dem was ich gestern am liebsten in die Runde gerufen hätte: eine Philosophie sollte nicht der Trainer vorgeben oder von ihm abhängen, sie sollte von der sportlichen Leitung vorgegeben werden, sie sollte vom gesamten Verein gelebt und durchgezogen werden. Von den Jüngsten im Verein bis hin zu den Profis in den Bundesliga-Stadien. Ja, das ist nicht einfach und vermutlich auch ein bisschen Fußballromantik. Aber ich glaube, dass es funktionieren kann. Beispiel, der symbadische Klub des SC Freiburg. Die lassen sich (gefühlt) nicht von ihrem Weg abbringen, haben ein Trainer der schon lange im Verein ist, der schon die Jugend trainiert hat. Der Verein fällt nicht bei einer Negativserie um, hält Christian Streich die Stange und sie bleiben in der Liga. Sie verlieren wieder Spieler wie Kempf, sie werden wieder junge Spieler nachziehen. Und wenn Streich einmal nicht mehr auf der Trainerbank sitzt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Jugendtrainer des SC dort Platz nimmt. Ich glaube, der SC verfolgt einen mittel- und langfristigen Plan und das ist meiner Meinung nach eine Philosophie. Eine gelebte Philosophie.

Natürlich wird so etwas – die schönsten Pläne können scheitern, wenn der Druck und die Negativserie zu groß wird – gerne mal über den Haufen geworfen. Spieler können nicht mehr mit dem Trainer, Spieler nicht mit anderen Spielern, was auch immer schief läuft, manchmal müssen Vereine reagieren und die schöne mittel- und langfristige Philosophie über den Haufen werfen, weil der Abstieg droht, das Verpassen der CL, was immer die Gründe sein mögen. Nun sollte es aber meiner Meinung nach so sein, dass der Verein sich eben genau den Trainer sucht, der zu dem passt was sich der Verein vorstellt. Und eben nicht einen Trainer der alles anders machen will, der alles was in der Jugend gespielt wird über den Haufen wird und den Verein komplett umbauen will. Das sollte von der sportlichen Leitung und vielleicht auch ein bisschen von einem Leiter des NLZ mit vorgegeben werden, die DNA des Vereins. Idealerweise würde ein Trainer wie Tedesco (den der VfB hat ziehen lassen) vielleicht diese Position übernehmen, der schon da ist. Zum Retten der Saisonziele die letzten Spiele Beton anrühren? Geschenkt. Natürlich. Aber spätestens zur nächsten Saison wieder versuchen die Philosophie (welche es auch immer sein mag) mit Leben auszufüllen.

Das kann alles nur funktionieren, wenn es eine Kontinuität im Verein gibt – wir beim VfB hatten sie leider nicht. Bobic, Dutt, Schindelmeiser und jetzt Reschke haben alle ihre Ansätze gehabt. Ob der Plan von Jan Schindelmeiser aufgegangen wäre – wir werden es nie erfahren. Ob der neue Plan, die Philosophie von Michael Reschke funktioniert und aufgeht – wir werden es hoffentlich erfahren. Ja, ich bin ein großer Kritiker von ihm gewesen und auch von Wolfgang Dietrich. Wenn die zwei es aber schaffen, zusammen mit Menschen wie dir im NLZ, dem Verein eine Philosophie zu geben und diese zu leben – dann bin ich der Erste der seinen Hut zieht und ich kann auch Entschuldigung sagen.

Ich hoffe Du liest die Zeilen und würde eigentlich genau diese Diskussion sehr gerne weiterführen.

Viele Grüße,

Martin

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VfB

They say jump you say how high

Wir kennen alle das Sprichwort von dem Pferd, das nur so hochspringt wie es muss. Der VfB kommt einem mal wieder vor wie genau dieses Pferd. 37 Punkte waren erreicht und vor allem aus Richtung Reschke kamen Sprüche wie „wir haben mit dem Abstieg nichts mehr zu tun“ und damit quasi die Saison für beendet erklärt hat. Es folgte das 1:1 gegen Hamburg. Gegen Hamburg. Einigen Spielern merkte man den fehlenden Willen, den fehlenden Biss an. Die Wochen zuvor konnte man oftmals noch spüren, dass die Jungs das Spiel gewinnen wollten. Gegen Hamburg war davon wenig zu spüren. Es war meiner Meinung nach mehr drinnen. Es wären die 40 Punkte gewesen.

Die Woche drauf wollte man was in Dortmund mitnehmen. Die erste Halbzeit war das okay, aber wie oft nicht sonderlich zwingend. Keine Torchancen. Da bringt es dir nichts, wenn man ganz gut mitgehalten hat, ein Übergewicht hatte – am Ende steht ein 0:3. Und natürlich ist das 0:2 kurz nach der Pause nicht optimal. Aber ein Aufbäumen, der Wille noch was mitzunehmen war wieder nicht da.

Und da stehen wir nun – weiterhin stehen wir gut da, mit 38 Punkten, am 29. Spieltag. Es müsste viel schief gehen, dass wir den Platz von Mainz 05 auf der Relegation noch einnehmen. Trotzdem werden die nächsten Spiele für mich sehr interessant. Sie werden zeigen, ob Korkut die Spannung hochhalten kann – die Woche war ja schon wieder von den 40 Punkten zu lesen, die er so schnell wie möglich erreichen möchte. Und vor allem werden sie zeigen ob die Mannschaft auch mal ein Stück der VfB DNA ablegen kann. Die DNA, die immer dann, wenn es halbwegs läuft, den Schlendrian einkehren lässt, die den Gang zurückschaltet, die es schafft, dass man statt mit 100% nur noch mit 90% auf dem Platz steht. Man könnte sagen, dass es doch nichts macht, wenn man jetzt nichts mehr holt, weil es wird reichen. Das mag punktetechnisch stimmen, aber von der Stimmung für die nächste Saison kann es nicht gut sein, die letzten Spiele nur noch ein oder zwei Punkte zu sammeln.

Es kommen nun mit Hannover 96 und Werder Bremen Mannschaften die schlagbar sein müssten. Nur unterscheidet diese Teams etwas von uns, sie brauchen noch Punkte. Es wird ein Fingerzeig, in welche Richtung die Mannschaft geht und ob wir im Herbst den nächsten Trainerwechsel haben oder aus dieser Dauerschleife rauskommen.

Und ändert Korkut wenn der Klassenerhalt sicher ist auch mal was an der Aufstellung? Probiert er mal was aus? Die meisten VfB Fans dürften sich einig sein, dass der Zweck die Mittel geheiligt hat und die Punkte Korkut mit Aufstellung und Taktik Recht gegeben haben. Für die neue Saison dürfte das auf Dauer zu wenig sein. Wie Badstuber schon sagte „Irgendwann müssen wir mehr spielen.“ Ein großen Teil dazu wird Reschke beitragen müssen. Er ist gefordert, er muss liefern. Selten hatte ein Sportdirektor mehr Planungssicherheit als er und vermutlich auch keiner vor ihm so viel Geld zur Verfügung.

Darum werden für mich die letzten Spiele der Saison sehr interessant, interessanter vielleicht als es durch die Tabellensituation aussieht. Es können, nein es müssen die Weichen gestellt werden für das zweite Jahr in der Bundesliga nach dem Aufstieg und zwar von der Mannschaft, dem Trainer und dem Sportdirektor.

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VfB

Reschke und der VfB: Nichts dazu gelernt und den Rest vergessen

Es gibt Dinge, die lassen einen fassungslos zurück. Beim VfB häufen sich diese Dinge in letzter Zeit leider recht oft und Michael Reschke hat dem Ganzen mit dem letzten Interview/Artikel im Kicker noch die Krone aufgesetzt. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll, man weiß gar nicht ob es einfach nur die pure Inkompetenz ist, ob es ignorant ist, überheblich – ich weiß es einfach nicht.

Fangen wir mal mit dem inhaltlichen an. Der VfB wechselt während der laufenden Saison den Trainer und holt danach mit einem neuen Trainer aus den ersten Spielen ein Unentschieden und zwei Siege. Fügen Sie hier bitte tosenden Applaus ein. Das hat es noch nie gegeben. Generell, dass nach einem Trainerwechsel die Mannschaft auf einmal punktet ist eine neue Erfindung und ja, dass kann sich definitiv Michael Reschke auf die Fahnen schreiben. Hat die Bundesliga so noch nicht erlebt. Spoiler für Herrn Reschke: Gab es schon in der Bundesliga und beim VfB zigfach. Babbel, Gross, selbst Kramny konnten zu Beginn punkten – die anschließenden Talfahrten sind bekannt. Kramny ist ein schönes Beispiel. Wir erinnern uns an die Rückrunde 2015/2016 – es läuft, die ersten Spieler (Kostic) träumen quasi von Europa. Zu dem gleichen Zeitpunkt standen wir unter Kramny mit 28 Punkten einen Platz besser da. Das Ende ist uns allen bekannt. Es benötigt also schon eine große Portion Ignoranz, die jüngere VfB Geschichte so auszublenden. Und wer nach ernsthaft drei Spielen denkt, dass jetzt alles läuft und man Kritik einzustellen hat, der hat gelinde gesagt generell vom Fußball überhaupt nichts verstanden.

Dazu dieser süffisante Unterton, man habe ja natürlich richtig gehandelt und natürlich gewusst was man macht. Das ist ein Nachtreten auf Kindergartenniveau, den Kritikern nach drei Spielen quasi kindisch die Zunge rausgestreckt „nänänänä – wusste ich doch“. Dass Reschke damit eine sehr sehr große Fallhöhe erzeugt, für das nächste Tief der Mannschaft, versteht er nicht. Genauso wenig wie er generell überlegt welche Auswirkung seine Worte haben könnten. Empathie, ein Gefühl für die Situation. Jetzt läuft es drei Spiele gut, dann genieße ich das doch für mich und bin einfach mal ruhig. Wenn ich die Klasse gehalten habe, dann kann ich mich hinstellen und lospoltern, aber nicht mit 27 Punkten. Vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Mit dieser Mannschaft, die so eine super Mentalität hat.

Wait. Super Mentalität. VfB. Von unseren weiß-roten Jungs kann Reschke da unmöglich gesprochen haben. Reschke nimmt damit die Mannschaft ungeschickterweise in Schutz. Vergessen die Leistungsverweigerungen von Mainz und Schalke. Und da braucht keiner mit der Taktik vom Trainer zu kommen – wer Null Einsatz in den Spielen zeigt und gegen den Trainer spielt, der hat eine Mentalität. Ja, aber eine fragwürdige. Dass die Herren jetzt auf einmal wieder mehr laufen können und es mal wieder ein paar Spiele geht – ganz tolle Mentalität. Wir sprechen darüber wieder beim nächsten Tief, bis der nächste Trainer wackelt.

Und dann noch was ganz wichtiges Herr Reschke, vielleicht muss ich Ihnen das als Rheinländer mal sagen. Wir Schwaben leben (bis auf wenige Ausnahmen) das schwäbische Understatement sehr. Wir haben Geld, wir haben Erfolg, wir zeigen es aber sehr wenig, das macht man nicht. Das ist eine schwäbische Tugend, damit sind wir ganz gut gefahren. Ich weiß nicht wie gut es im Umfeld (Sponsoren) ankommt, dass da einer ist, der einen auf dicken Hose macht, wenn es mal ein paar Spiele läuft. Einige Firmen im Stuttgarter Umfeld sind gar stark pietistisch geprägt. Sollten Sie sich mal damit beschäftigen. Nur so als Tipp.

Und dann könnte es noch gewollter Krawall sein. Es könnte die eine Linie gemeinsam mit Wolfgang Dietrich sein, wenn man die kritischen Fans nun doch endlich bittet Vernunft anzunehmen und auf die gute Seite zu kommen. Man habe – wie auch Dietrich – ja sehr viel Zuspruch erhalten. Kicker-Umfragen, Meinungen auf Facebook, Meinungen auf Twitter – alles nur ein bisschen Gegenwind in den sozialen Medien. Nichts wildes. Es geht darum die Fans offensichtlich in gut und böse einzuteilen. Krawall-Rhetorik, wie auch schon mit den Vollidioten. Seid ihr nicht mit uns, dann seid ihr gegen uns und ihr seid die Bösen. Es ist Trump-Style und leider generell gerade angesagt so auch mit kritischen Tönen umzugehen. Man könnte sich mit der Kritik auseinandersetzen, das würde helfen, die kritischen Stimmen vielleicht zu überzeugen. Oder man wählt den Reschke und Dietrich Weg. Spalter eben, aber das wussten wir ja eigentlich schon.

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