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Das ehrliche Interview: Ausgabe 1 mit Sven Mislintat

twofourtwo: Hallo Herr Mislintat, es freut mich sehr, dass Sie sich für meine neue Rubrik auf meinem Blog die Zeit für ein paar kurze Fragen genommen haben.

Sven Mislintat: Sehr gerne, du kannst gerne Sven sagen, dann leg mal los, ich muss gleich noch mit einem Berater aus Frankreich telefonieren.

t: Oh, Frankreich scheint ja ein beliebtes Telefonziel für dich zu sein.

SM: Ja, ich habe nicht arg viele Nummern in meinem Telefonbuch, da lande ich halt immer wieder bei den gleichen Beratern. Die meisten kenne ich von meinen Frankreichurlauben und die haben gerade halt aktuell nur sehr junge Spieler unter ihren Fittichen.

t: Das haben einige bereits vermutet. Erstmal so generell, das erste Pflichtspiel steht an, die Vorbereitung ist durch, wie zufrieden bist du mit dem Kader, der Vorbereitung?

SM: Ja, die Vorbereitung (zögert…) lief natürlich nicht optimal mit den ganzen Verletzungen, das war so nicht geplant. Ich mein, schau dir mal den Kader an, lauter junge Spieler ohne Bundesligaerfahrung und die paar wenigen, die schon mal Bundesligaluft geschnuppert haben sind verletzt.

t: Thommy, Gonzalez?

SM: Genau. Ich mein, wie willst du mit dem ganzen Rest, den Ersatzspielern, in der Bundesliga bestehen? Die haben wir eigentlich nur zum Spaß verpflichtet um den Altersschnitt zu senken, nicht als Spieler, die auch mal spielen sollen.

t: Bist du dann nicht von deinen Verpflichtungen überzeugt?

SM: Nicht wirklich, nein. Die hole ich in Abstimmung mit Thomas (Hitzlsperger) und dem Trainerteam nur, damit wir hoffentlich einen entdecken und ich mir das dann auf die Fahnen schreibe kann – du weißt schon – Diamantenauge und so (zwinkert mir zu).

t: Es geht dir also nur um Dich?

SM: Natürlich!

t: Aber wäre es nicht möglich gewesen auch ein bisschen ältere Spieler zu holen, die mehr Erfahrung in der Bundesliga aufweisen können?

SM: Wir schwimmen beim VfB im Geld, die Ausgliederung und die Arbeit von Dietrich und Reschke haben ein gemähtes Wiesle, so sagt ihr in Schwaben doch oder, hinterlassen. Lass dir da nichts einreden! Wir gehen diesen Weg nur, weil wir uns „jung und wild“ auf die Fahnen geschrieben haben. Und das ziehen wir jetzt komplett durch.

t: Ihr fahrt den VfB also mit Absicht an die Wand?

SM: Ja, das kann man so sagen.

t: Puh, vorletzte Frage, ich bin gerade etwas sprachlos, es heißt du würdest die Mannschaft stärker reden wie sie in der Realität ist?

SM: Ja, mache ich nur mit den Spielern die ich verpflichtet habe und wirklich eben nur aus dem Grund, dass es vielleicht mal einer auf den Platz schafft, weil Pellegrino ihn dann bringen muss.

t: und die eigene Jugend?

SM: Die ignorieren wir natürlich absichtlich und zeigen Ihnen keine Perspektive auf. Nicht das noch einer von denen auf die Idee kommt in der Bundesliga spielen zu wollen, die sollen natürlich alle bei anderen Vereinen durchstarten.

t: Jetzt habe ich keine weiteren Fragen mehr. Danke Sven für dieses ehrliche Interview!

VfB

Zwei Seiten der Medaille

Zugegeben, das klingt nach großer weiter Fußballwelt, der VfB Stuttgart könnte Spieler des großen FC Barcelona leihen. Das liest sich so, als ob die nächste Generation Messi, Iniesta, Xavi und Co. für einige Spiele im Neckarstadion aufläuft.

Nun, ich leite keinen Fußballverein, aber ich glaube, dass es ganz so toll nicht ist und das es hier noch eine Kehrseite der Medaille gibt. Bei einer Partnerschaft mit einem solchen großen Verein bist du als VfB immer das kleine Licht, sprich du gibst nicht den Takt vor. Aber gehen wir einmal davon aus, wir würden ohne große Einschränkungen (Anzahl der Spiele, keine Auswahlmöglichkeit, Einsatzzeiten usw.) Spieler ausleihen können. Ein Trugschluss ist es, dass diese uns direkt weiterhelfen können. Das weiß man als Verein halt genauso wenig, wie bei jeder anderen Verpflichtung. Wir sprechen hier nicht von traumhaftem Kombinationsfußball der in Stuttgart gespielt werden wird, wir sprechen vom Abstiegskampf in der Bundesliga. Als kleine Randnotiz: Die letzten Spieler, welche wir von großen Vereinen ausgeliehen hatten: Romeu, Macheda, Asano – oder noch schlimmer sogar verpflichtet haben: Maffeo. So langsam sollten wir gemerkt haben, dass große Namen uns nicht unbedingt weitergeholfen haben.

Und war dazu nicht vor ein paar Wochen das Geheule generell groß, dass es so wenig eigene Jugendspieler des VfB in die erste Mannschaft schaffen? Wie lässt sich das mit jungen geliehenen Spielern aus Barcelona rechtfertigen, die unseren Nachwuchskickern für ein oder zwei Jahre vor die Nase gesetzt werden? Wie wird bei solchen Spielern generell die Bindung zum Brustring aussehen? Etwas was wir ja schon bei unseren normalen Spielern gerne mal bemängeln. Seit Jahren versucht man dem VfB wieder eine DNA zu verpassen, ein Farmteam von Barcelona zu sein ist für mich so mit das ungeschickteste was ich mir als Identität vorstellen könnte. Da sehe ich schon die Mistgabeln frisch geputzt zur Mercedesstraße laufen.

Nachhaltigkeit. Noch so ein Ding. Wenn die Spieler sich hier prächtig entwickeln, sind sie genauso schnell wieder weg, wie sie an den Neckar gekommen sind. Ja, es kann natürlich sein, dass sie uns helfen würden die Klasse zu halten. Eine Garantie – siehe oben – gibt es dafür einfach nicht. Dann wäre es mindestens mal eine Win-Win-Situation gewesen. Ist aber der Weg einen nächsten Pavard (oder gerne auch eine Nummer kleiner) zu finden und dann später für einige Millionen zu verkaufen für den VfB nicht etwas nachhaltiger um sich dauerhaft finanziell auf gute Beine zu stellen? Es also zu schaffen mit diesen eigenen Spielern den Klassenerhalt zu schaffen und bei einem späteren Verkauf noch Geld zu verdienen. Also eine Win-Win-Win-Situation. Es wäre für mich erstrebenswert.

Es geht mir nicht darum das Handeln von unserer sportlichen Führung immer zu verteidigen – niemand ist ohne Fehler. Nicht mit allem bin ich glücklich und ich bin gespannt wie sich die aktuelle Mannschaft in der Bundesliga schlagen wird. Es gibt – zugegeben – noch viele Fragezeichen. Mir persönlich wird sich aktuell aber etwas zu arg auf Mislintat und Hitzlsperger eingeschossen. Bei diesem Thema sehe ich allerdings wirklich keinen Grund die Entscheidung anzukreiden.

Und dies betrifft nicht nur die zwei Herren, auch die Entscheidung von Matarazzo den erfahrenen Castro zum Kapitän zu ernennen und damit Kempf abzulösen wurde kritisiert. Ein paar Tage später war der neue Mannschaftsrat gewählt und Kempf war nicht einmal mehr hier vorhanden. War die Entscheidung also eventuell nicht ganz falsch? Vielleicht, aber nur ganz vielleicht, hat Matarazzo ja einen guten Einblick in die Mannschaft, arbeitet täglich mit ihr und hat deswegen das Amt neu vergeben. Nur eine Vermutung.

Was zur Hölle ist eigentlich passiert, dass ich gerade den VfB verteidige. Wird Zeit, dass die Spiele wieder beginnen und ich endlich wieder ausführlich bruddeln kann. Kommt wieder. Ist versprochen.

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twofourtwo x 242 / 071: Ich muss etwas verpasst haben

Irgendwas muss an mir vorbeigegangen sein in den letzten Tagen oder Wochen. Es scheint so, als ob der Kader des VfB Stuttgart bereits final feststeht, das Transferfenster geschlossen ist und der VfB so gut wie bereits wieder abgestiegen ist. Wer mich kennt weiß, dass ich den Weiß-Roten sehr kritisch gegenüberstehe. Ich kann allerdings den Grund aktuell nicht sehen, warum ich – häufig wird über die Offensive geschrieben – jetzt schon komplett Alarm schlagen sollte. Nein, das hat nichts mit einer Sympathie für Thomas Hitzlsperger zu tun. By the way ist mir Sven Mislintat so rein persönlich relativ egal – gut deutlich angenehmer wie sein Vorgänger, aber das war nicht schwer.

Das Transferfenster hat noch gut zwei Monate offen, die Saison beginnt in gut einem Monat. Wer glaubt, dass der VfB genau mit dieser Offensive in die neuen Saison startet, da müsste gegebenenfalls der Realitätssinn geschärft werden. Nach dem Ende der Saison beteuerte Sven Mislintat, dass der Kader ja eigentlich so passen würde, trotzdem kamen Anton und Mavropanos. Wenn jetzt ähnliches über die Offensive geäußert wird – sollen die Herren sich hinstellen und bekannt geben, dass man dringend da noch verbessern muss, rein aus Verhandlungssicht kein guter Zug.

Dazu kommt, dass Dank der wunderbaren Geldverbrennung von Reschke (Aogo, Beck, Didavi, Gomez, …) der VfB finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Vermutlich braucht man die Einnahmen von Gonzalez um weiter aktiv zu werden.

Wahrt den kritischen Blick, aber verfallt doch bitte zu dem Zeitpunkt noch nicht in gefühlte Panik.

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twofourtwo x 242 / 070: Aufstieg, irgendwie

Erstmal vornweg: sehr schön, dass es am Ende dieser Saison doch noch gereicht hat und der VfB Stuttgart wieder in der Bundesliga spielen wird. Wieder eine Saison mit Trainerwechsel, mit einigen Tiefen, einer Coronapause und Geisterspielen, welche wir uns alle nie hätten vorstellen können. Am Ende zählt: der Aufstieg und vermutlich wird keiner mehr in ein paar Wochen nach dem „wie“ fragen. Damit vielen Dank an alle Beteiligten beim VfB die zum erneuten Wiederaufstieg beigetragen haben.

Interessant die Gefühlslage. Vor drei Jahren gelang auch am 33. Spieltag der Aufstieg, mit einer 0:1 Niederlage in Hannover. Bei vielen und auch mir, wegen der Leistung dort, nicht zu große Freude. Am letzten Spieltag das 4:1 und das fühlte sich gut an – das Spiel und die Hoffnung, dass da etwas ensteht. Diese Saison etwas umgekehrt. 6:0 am 33. Spieltag in Nürnberg und Erleichterung und Freude über den Aufstieg. Das 1:3 am letzten Spieltag machte die gute Stimmung doch (bei mir) ein bisschen kaputt. Warum?

Der VfB selbst lieferte mir die Antwort:

Das Ergebnis ist heute zweitrangig, Hauptsache erstklassig

Es beschreibt den VfB für mich „in a nutshell“ wie es Lennart so schön gestern schrieb. Natürlich ist man trotzdem aufgestiegen, aber es gab zig Gründe hier noch (für Darmstadt ging es im übrigen auch um nichts) noch einen Sieg einzufahren: für das gute Gefühl für die neue Saison, für Mario Gomez, für die Fans (!), für – ach – vermutlich habe ich einfach schon wieder zu hohe Ansprüche und Erwartungen.

Mag dich trotzdem. Bussi, VfB!

VfB

Auf Entzug

Wir kennen die Geschichten von älteren Fußballfans, die von früher erzählen und wie sich über die Jahre die Begeisterung für den Fußball oder sogar das Verhältnis zu seinem eigenen Verein verändert hat – ja sogar eine gewisse Distanz zu dem ganzen Treiben entstanden ist. Zu denen gehöre auch ich. Wer mir auf Twitter folgt, der dürfte das schon gemerkt haben.

Es erstaunt mich aber immer noch, dass es so gekommen ist. Gestern (9. Juni 2020) wurde eine absolute VfB Legende 58 Jahre alt: Günther Schäfer. Schäfer gehörte für mich zu der Generation von Spielern, mit denen ich aufgewachsen bin und zu denen ich von der Cannstatter Kurve aus aufgeblickt habe. Für mich Helden. Wie Karl, Asgeir, Guido, Jürgen, Fritz und viele andere, die für mich mit Stolz den Brustring trugen. Der VfB teilte einen Hinweis zum Geburtstag nur über seinen internationalen VfB Account, was schon sehr schade ist, da solche Vereinslegenden mehr Aufmerksamkeit verdient haben. Über viele Jahre waren sie dem VfB treu, etwas, was heutige jungen Fans überhaupt nicht mehr kennen. Ein Spieler, der länger als zwei bis drei Jahre bei einem Verein bleibt? Ein Wappen wurde damals nicht geküsst, das war auch überhaupt nicht notwendig, weil man wusste, dass Allgöwer, Buchwald oder Schäfer trotzdem eine wirkliche Verbindung zum VfB hatten. Als die Verträge von Hartmann und Schäfer auf einmal nicht mehr verlängert wurden – das war für mich als Fan ganz schwer zu ertragen. Schäfer bei einem anderen Verein. Im falschen Trikot. Das war nur sehr schwer zu ertragen.

„Das hat sich halt verändert, das gibt es heute nicht mehr“. Das stimmt. Leider. Vielleicht auch ein Grund, dass wir einen VfB haben, wie wir ihn in dieser Saison sehen. Emotionslos, mit dem kleinsten Erfolg zufrieden. Die Spieler haben alle das Wissen, dass sie schnell irgendwo anders unterkommen, neue Verträge bekommen und sich das Rad weiterdreht. Wieso sollte man da mehr als notwendig tun. Die Spieler so auswechselbar wie noch nie – für mich. Wenn ich Bilder vom Training sehe, dann muss ich oft schon genau hinschauen und mir überlegen – wer ist das denn? Im Hinterkopf der Gedanke „muss man sich eh nicht merken, ist in einem Jahr eh wieder weg“. Aber wenn einer schreibt „mein erstes Spiel war 92 gegen den KSC“, dann weiß ich noch, der Torschütze war Fritz Walter. Meistersaison. Unvergessen. Wie Schäfer mit seiner Fallrückzieher-Rettungsaktion am letzten Spieltag gegen Leverkusen. Aber hatten wir ja schon, dass er eine Legende ist.

Viel wechselndes Personal? Misserfolg? Wolfgang Dietrich? Ausgliederung? Es gibt vermutlich eine Vielzahl kleiner Faktoren in den letzten Jahren beim VfB, die für mich dazu beigetragen haben, dass mich dieser Zirkus weniger interessiert, wie noch vor vielen Jahren. Da wäre es undenkbar gewesen während Spielen meines heißgeliebten VfB spazieren zu gehen, den Keller aufzuräumen und einfach nur das Endergebnis zu checken. Eine Niederlage gegen Wiesbaden oder Kiel wird mit einem Schulterzucken belegt. Das war es. Früher wurde da noch gegen Türen getreten. Früher war mehr Emotion. Zugegeben, die Umstände haben sich auch verändert, eine Familie mit zwei Kindern steht nun auch einfach mehr im Fokus und hat Vorrang vor dem Fußball. Falls jemand auf die Idee kommt, es wäre der ausbleibende Erfolg. Entschuldigung, ich bin VfB Fan seit Mitte der Achtziger, da gab es schon immer wieder schlechte Phasen. Kein Abstieg natürlich, das ist richtig. Selbst die Saison 2016/2017 war mit mehr Emotionen belegt. Auch da war der Fußball nicht schön, aber das Gefühl es könnte da etwas entstehen, ein bisschen Euphorie. Bis ja, ihr wisst schon Dietrich, Ausgliederung, alles zigfach erzählt. Für mich aber bestimmt ein Wendepunkt. Nein, nicht einmal die Ausgliederung selbst, sondern die Art und Weise. Der tiefe Graben, der bis heute noch besteht und den vielleicht Claus Vogt irgendwie wieder zuschütten kann. Unser neuer Präsident ist im übrigen einer der wenigen positiven Veränderungen – vielleicht wird mit ihm der VfB auch wieder mehr mein VfB und nicht der VfB.

Eine Parallelwelt, die finanziell komplett abgehoben ist? Millionenablösen? Leben auf Pump ohne wirtschaftliche Vernunft? Geisterspiele ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Spieler? Plastikvereine für die keine Regeln gelten? Ein nicht durchdachter VAR? Immer wieder neue Punkte, die mich abseits des VfB zum grübeln brachten. Nochmal eine Dauerkarte? Immer wieder kam der Junkie in mir wieder durch und ich brauchte dann doch den neuen Schuss, obwohl ich mir zum Ende der Saison geschworen hatte, nicht mehr zu verlängern. In der Coronapause habe ich mir dann auch gesagt, nein, Geisterspiele tue ich mir nicht an. Wie viele anderen auch. Dass nun doch viele schauen, entgegen der Beteuerungen auch ausgiebig darüber berichten, sprechen usw. – absolut okay. Das muss jede*r für sich selbst wissen und entscheiden. Wer schauen will, soll das tun. Wer nicht schauen will, muss nicht. Wichtig ist nur, dass gegenseitig die Entscheidung akzeptiert wird.

Und wie soll es mit uns weitergehen? Fußball und VfB. Ich weiß es noch nicht. Natürlich würde ich mich über den Aufstieg freuen – auch wenn er so überhaupt nicht verdient wäre. Werde ich wieder Spiele schauen? Mit Sicherheit irgendwann. Und auch wieder ins Stadion gehen? Natürlich auch irgendwann einmal wieder. Die Atmosphäre, die Bekannten, die Freunde, die man trifft. Das Last-Minute-Tor live erleben. Unbezahlbar. Aber für mich wird es nie wieder so werden wie damals im weiten Rund im Neckarstadion oder wie in den Neunzigern mit dem magischen Dreieck. Das ist auch nicht schlimm, der Fußball hat sich verändert und ich habe mich auch verändert. Ganz komme ich einfach davon nicht los, weit über 35 Jahre Junkie gehen nicht spurlos an einem vorbei. Es ist kein harter Entzug, ich habe aber die Dosis reduziert und das fühlt sich ziemlich gut an.

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twofourtwo x 242 / 069: Es geht ganz gut ohne.

Ich stelle mir vor, wie mein Ich vor 20, 10, sogar vermutlich noch für 5 Jahren reagiert hätte, wenn die Saison im März mit Aussicht auf Saisonabbruch ausgesetzt worden wäre. Ein Zeitpunkt zu dem das Fußballjahr in die heiße Phase geht. Meisterschaft, Abstiegskampf, ab März geht es richtig los mit dem Saisonfinale im Mai. Meisterschaften, Rettung in letzter Sekunde, Abstieg – der VfB hatte für uns fast immer was auf Lager, was das mitfiebern und mitleiden berechtigt hat.

Durch die Coronakrise pausiert also nun der Fußball zum ersten Mal in dieser Saisonphase. Und mir fehlt noch aktuell herzlich wenig. Böse Zungen würden behaupten, hey du bist VfB Fan, kein Wunder,was will man da schon vermissen außer Rumpelfußball und Abstiegskampf seit vielen Jahren. Das mag sogar ein Punkt sein. Aber auch Bruno Labbadia, Jens Keller, Jürgen Kramny und wie sie alle hießen, haben mich nicht davon abgehalten mitzuleiden und schlaflose Nächte bei Niederlagen zu verbringen.

Den größten Anteil, dass es mich gerade wenig stört, dürfte in der jüngeren Vergangenheit liegen: Dietrich, Reschke, „Wir-sind-Stuttgart“ Kampagne, Ausgliederung mit allen Mitteln – das hat mehr Spuren und tiefere Spuren hinterlassen wie gedacht. Dazu die unsägliche Hopp-Geschichte mit Draufhauen auf die Ultras. Ihr wisst schon, die hässliche Fratze. Von den Ultras habe ich noch nichts gehört, dass die Saison unbedingt weitergehen muss. Ich lese viel von lokalen tollen Aktionen Bedürftige zu unterstützen. Weltfremd sind sie geworden in den Führungsriegen von DFL und den großen Vereinen.

So gesehen, die Pause tut (mir) gut.

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twofourtwo x 242 / 068: (K)ein Rückfall

Die erste Niederlage unter unserem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo. Am Ende muss man sich eingestehen: verdient. Und das große Manko, welches uns schon die ganze Saison begleitet, war wieder einmal die Chancenverwertung. Gut angefangen, die großen Chancen nicht genutzt und wieder müssen Spieler und Trainer etwas von den vergebenen Tormöglichkeiten in die Mikrophone sprechen. Man könnte sagen: wie immer. Noch vor Wochenfrist war es ein Freistoß, der die Wende brachte, dieser fehlte in Fürth. Vielleicht fehlte dann auch nach einer guten halben Stunde der Glaube, dass der Ball noch reingeht und die Zweifel in den Köpfen der Spieler wurden stärker. Denn die Frage nach dem „warum ist die Chancenverwertung so schlecht“, die konnte schon Tim Walter nicht lösen und auch unter Matarazzo scheint es noch keine Antwort auf die dringendste aller VfB Fragen zu geben.

Ich bin der Überzeugung, dass die ganzen vergebenen Chancen auch an den Spielern nagen, man unsicher wird und sich überlegt, warum auch der nächste Versuch nicht reingegangen ist. Dann kommt der Gegner noch besser ins Spiel, die Unzufriedenheit steigt, die Konzentration sinkt ein paar Prozentpunkte und am Ende steht es 0:2. Ärgerlich, weil Hamburg gleichzeitig verloren hatte und der VfB gegen Bielefeld mächtig unter Zugzwang steht.

Noch muss es kein Rückfall in die Hinrunde gewesen sein, das können uns Mannschaft und Trainer die nächsten Wochen beweisen. Sie sind verdammt nochmal am Zug gegen Bielefeld und vor allem danach gegen Wiesbaden und Kiel die Zeichen auf Aufstieg zu setzen.

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twofourtwo x 242 / 067: Wehmütig

„Der VfB muss sich mit einem Remis gegen Barcelona begnügen“. Gerade wenn die Champions League wieder läuft, werden gerne einmal alte Überschriften oder Ergebnisse des VfB Stuttgart hervorgekramt. Und ich gebe zu, ich werde dann wehmütig, nicht einmal unbedingt auf die Champions League, einfach auf den internationalen Fußball, der viele Jahre regelmäßig im Neckarstadion gespielt wurde. Als ich ein Kind war, dachte ich es sei ganz normal, dass sich der VfB Stuttgart mit europäischen Teams misst. Ich dachte das gehört so, weil es ja (gefühlt) jede neue Saison wieder so war. Bis ich mir dann die Trennlinien in der Tabelle einmal mal näher angeschaut hatte und verstand, dass man sich dafür qualifizieren muss.

Heute sind wir von dieser Trennlinie sehr weit weg, aktuell beschäftigen uns die Trennlinien zum Wiederaufstieg in die Bundesliga – da wir aktuell noch zwischen zwei Linien stehen, wäre das eine erneute Relegation. Von einer Trennlinie die uns nach Europa bringen kann, können wir aktuell nur träumen. Und dann schaue ich eben wehmütig zu den Fans von Mannschaften wie der Eintracht oder Gladbach, die zu Auswärtsspielen quer durch Europa reisen. Dann fällt mir wieder ein, was in dem unsäglichen Ausgliederungsvideo versprochen wurde – der VfB auf Europapokalplätzen. Größenwahn mit 41,5 Millionen. Wie lächerlich dieser Plan von Dietrich war, erkennt man auch daran mit welchen Summen in Berlin versucht wird die Hertha auf diese Plätze zu hieven. Zu der Europapokalwehmut kommt die ganz große Wehmut: Ausgliederung, Geld verbrannt, Abstieg, kein Europapokal. Ach Fußball.

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twofourtwo x 242 / 066: Durststrecke beenden. Jetzt.

Seit September 2019 wartet der VfB Stuttgart auf einen Auswärtssieg und beim nächsten Auswärtsspiel in Bochum ist der perfekte Zeitpunkt diese Durststrecke endlich zu beenden. In den beiden Heimspielen unter dem neuen Trainer Pellegrino Materazzo war etwas anders als in der Hinrunde – der Fußball war nicht berauschend, nicht spektakulär, aber effektiv und für VfB Verhältnisse souverän. Man mag darüber streiten, ob Heidenheim und Aue schwach waren oder der VfB seine Sache gut gemacht hat. Sind wir ehrlich, so hatten wir uns ein paar mehr Spiele in der Hinrunde erhofft. Es gab sie aber nicht. Stattdessen knappe Siege, die uns alle wieder altern liesen und unnötige Auswärtsniederlagen. Alle zwei Wochen ein Tiefschlag nach dem nächsten.

Nun, auswärts ist es unter Materazzo noch nicht besser geworden – ein glückliches 1:1 bei St. Pauli. Nun also Bochum. Nach den Siegen daheim muss in der Ferne endlich einmal nachgelegt werden. Nicht nur weil es so schön ist auswärts zu gewinnen, sondern weil Hamburg gerade eine gute Phase hat und Bielefeld leider sich noch nicht bequemt nachzulassen. Wenn wir im Rennen bleiben wollen und vor allem der Relegation aus dem Wege gehen möchten, müssen wir dreifach punkten. Natürlich gibt es noch einige Spieltage, aber dieses „es sind ja noch genug Spiele“ hat uns letzte Saison am Ende auch den Abstieg beschert. Der Abstand sollte nicht noch größer werden, damit wir nicht auf Aussetzer der ersten Zwei angewiesen sind, sondern es noch selbst in der Hand haben. Das fände ich beruhigend.

twofourtwo x 242

twofourtwo x 242 / 065: Noch nicht selbstverständlich

„Haben wir keine anderen Probleme?“ ist eine der häufigsten Antworten bzw. Kommentare, wenn es darum sich in aller Deutlichkeit gegen Sexismus auszusprechen. So auch wieder gehört, als sich der VfB, aber auch Claus Vogt als Präsident deutlich gegen die zwei letzten Transparente im Spiel gegen St. Pauli und gegen Heidenheim der Südbande positionierte. Nicht akzeptabel. Punkt. Keine Diskussion.

„Das war doch nur Spaß“ und überhaupt „es ist ja ein gesellschaftliches Problem“. Spaß ist es überhaupt nicht, wenn dir von einer Auswärtsfahrerin in Hamburg berichtet wird, dass ihr in den Hintern gezwickt und unter das Shirt gelangt wurde. Und nein, sie wollte es nicht so und nein, das ist auch nicht als Spaß oder „witzig“ gemeint. Genauso wie die Transparente. Sexismus, einmal direkt körperlich ausgelebt, einmal nur verbal. Und ja es ist ein gesellschaftliches Problem, aber genau dann tut ein Verein gut daran, sich deutlich dagegen zu positionieren und das Verhalten zu missbilligen. Zu zeigen, dass sich etwas ändern muss und Eltern (Hallo Väter!) ihren Söhnen beibringen, dass sie gefälligst die Hände von Frauen zu lassen haben, damit Frauen einfach unbehelligt ins Stadion gehen können.

„Ist doch selbstverständlich, dass der VfB das sagt“. Nein, leider noch nicht, auch der VfB ist im Wandel und noch vor gut einem Jahr bin ich mir nicht sicher, ob sich der VfB und vor allem der Präsident persönlich so geäußert hätten. Und aus diesem Grunde kann ich das gut finden und muss es nicht als selbstverständlich abtun.