VfB

Reschke und der VfB: Nichts dazu gelernt und den Rest vergessen

Es gibt Dinge, die lassen einen fassungslos zurück. Beim VfB häufen sich diese Dinge in letzter Zeit leider recht oft und Michael Reschke hat dem Ganzen mit dem letzten Interview/Artikel im Kicker noch die Krone aufgesetzt. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll, man weiß gar nicht ob es einfach nur die pure Inkompetenz ist, ob es ignorant ist, überheblich – ich weiß es einfach nicht.

Fangen wir mal mit dem inhaltlichen an. Der VfB wechselt während der laufenden Saison den Trainer und holt danach mit einem neuen Trainer aus den ersten Spielen ein Unentschieden und zwei Siege. Fügen Sie hier bitte tosenden Applaus ein. Das hat es noch nie gegeben. Generell, dass nach einem Trainerwechsel die Mannschaft auf einmal punktet ist eine neue Erfindung und ja, dass kann sich definitiv Michael Reschke auf die Fahnen schreiben. Hat die Bundesliga so noch nicht erlebt. Spoiler für Herrn Reschke: Gab es schon in der Bundesliga und beim VfB zigfach. Babbel, Gross, selbst Kramny konnten zu Beginn punkten – die anschließenden Talfahrten sind bekannt. Kramny ist ein schönes Beispiel. Wir erinnern uns an die Rückrunde 2015/2016 – es läuft, die ersten Spieler (Kostic) träumen quasi von Europa. Zu dem gleichen Zeitpunkt standen wir unter Kramny mit 28 Punkten einen Platz besser da. Das Ende ist uns allen bekannt. Es benötigt also schon eine große Portion Ignoranz, die jüngere VfB Geschichte so auszublenden. Und wer nach ernsthaft drei Spielen denkt, dass jetzt alles läuft und man Kritik einzustellen hat, der hat gelinde gesagt generell vom Fußball überhaupt nichts verstanden.

Dazu dieser süffisante Unterton, man habe ja natürlich richtig gehandelt und natürlich gewusst was man macht. Das ist ein Nachtreten auf Kindergartenniveau, den Kritikern nach drei Spielen quasi kindisch die Zunge rausgestreckt „nänänänä – wusste ich doch“. Dass Reschke damit eine sehr sehr große Fallhöhe erzeugt, für das nächste Tief der Mannschaft, versteht er nicht. Genauso wenig wie er generell überlegt welche Auswirkung seine Worte haben könnten. Empathie, ein Gefühl für die Situation. Jetzt läuft es drei Spiele gut, dann genieße ich das doch für mich und bin einfach mal ruhig. Wenn ich die Klasse gehalten habe, dann kann ich mich hinstellen und lospoltern, aber nicht mit 27 Punkten. Vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Mit dieser Mannschaft, die so eine super Mentalität hat.

Wait. Super Mentalität. VfB. Von unseren weiß-roten Jungs kann Reschke da unmöglich gesprochen haben. Reschke nimmt damit die Mannschaft ungeschickterweise in Schutz. Vergessen die Leistungsverweigerungen von Mainz und Schalke. Und da braucht keiner mit der Taktik vom Trainer zu kommen – wer Null Einsatz in den Spielen zeigt und gegen den Trainer spielt, der hat eine Mentalität. Ja, aber eine fragwürdige. Dass die Herren jetzt auf einmal wieder mehr laufen können und es mal wieder ein paar Spiele geht – ganz tolle Mentalität. Wir sprechen darüber wieder beim nächsten Tief, bis der nächste Trainer wackelt.

Und dann noch was ganz wichtiges Herr Reschke, vielleicht muss ich Ihnen das als Rheinländer mal sagen. Wir Schwaben leben (bis auf wenige Ausnahmen) das schwäbische Understatement sehr. Wir haben Geld, wir haben Erfolg, wir zeigen es aber sehr wenig, das macht man nicht. Das ist eine schwäbische Tugend, damit sind wir ganz gut gefahren. Ich weiß nicht wie gut es im Umfeld (Sponsoren) ankommt, dass da einer ist, der einen auf dicken Hose macht, wenn es mal ein paar Spiele läuft. Einige Firmen im Stuttgarter Umfeld sind gar stark pietistisch geprägt. Sollten Sie sich mal damit beschäftigen. Nur so als Tipp.

Und dann könnte es noch gewollter Krawall sein. Es könnte die eine Linie gemeinsam mit Wolfgang Dietrich sein, wenn man die kritischen Fans nun doch endlich bittet Vernunft anzunehmen und auf die gute Seite zu kommen. Man habe – wie auch Dietrich – ja sehr viel Zuspruch erhalten. Kicker-Umfragen, Meinungen auf Facebook, Meinungen auf Twitter – alles nur ein bisschen Gegenwind in den sozialen Medien. Nichts wildes. Es geht darum die Fans offensichtlich in gut und böse einzuteilen. Krawall-Rhetorik, wie auch schon mit den Vollidioten. Seid ihr nicht mit uns, dann seid ihr gegen uns und ihr seid die Bösen. Es ist Trump-Style und leider generell gerade angesagt so auch mit kritischen Tönen umzugehen. Man könnte sich mit der Kritik auseinandersetzen, das würde helfen, die kritischen Stimmen vielleicht zu überzeugen. Oder man wählt den Reschke und Dietrich Weg. Spalter eben, aber das wussten wir ja eigentlich schon.

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