VfB

Es ist kompliziert – Szenen einer Ehe

Meine Beziehung zum VfB gerade als einfach zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. Es ist kompliziert und es wird immer komplizierter. Das genaue Ende kann ich noch nicht absehen.  Wir sprechen aber gerade nicht vom sportlichen, sondern von dem was und vor allem wie es im Verein passiert. Wohin die Reise geht, das weiß ich selber noch nicht. Also für mich. Ob ich wie ein geschätzter Twitteruser dem VfB und dem Profifußball den Rücken kehre. Diese ganze Entwicklung trägt einen Namen: Wolfgang Dietrich.

Alle #aoMV-Ja-Stimmer-und-Hurra-Rufer mögen hier abbrechen mit lesen. Ich brauch auch kein „Mimimi, heul nicht rum, 85% (oder wie viele es waren) – akzeptiert es doch endlich“.

Es sind so viele kleine Dinge, die sich zu einem großen Berg aufbauen. Da werden natürlich tolle Zahlen genannt. Jeden Monat 1.000 neue Mitglieder. Wobei ich mich ja immer frage, wieso man noch Mitglied sein sollte, aber der VfB hat mir ja die Antwort geliefert. Vorverkaufsrecht für das Topspiel gegen die Bayern. Die Mitgliedschaft ist eigentlich sowas wie Amazon Prime, man bezahlt seine 47 Euro und kann dann vor den anderen normalen Fans sein Ticket kaufen oder versuchen zu kaufen. Bei den angepeilten 100.000 Mitgliedern wird das dann zwar auch irgendwann eine reine Lotterie, aber egal. Es scheint zu ziehen – Glückwunsch zu den 57.000 Mitgliedern. Ich gehöre ab Ende des Jahres nicht mehr dazu. Für mich war Mitglied sein mal etwas anderes.

Was geht mich mein saudumms Gschwätz von gestern an, sagt man bei uns Schwaben. Gilt für Dietrich, gilt für den VfB. Die im Erklärbärvideo angekündigten regionalen Partner müssen neuerdings gar nicht mehr so regional sein. Ach und wieso auch überhaupt Partner, könnten doch auch irgendwelche Fonds oder Investoren oder was auch immer sein – Hauptsache irgendeiner kauft mal die Anteile. Ja klar, er muss zum VfB passen, irgendwas mit Zielen sollte auch passen. Wie das bei einem Fond funktionieren soll, ich bin gespannt. Es sind diese Wortbrüche oder „Fehler in der Kommunikation“, die in letzer Zeit gerne mal auftreten. Vertrauen – ach wieso, jetzt nachdem wir die AG haben,  kann man ja am Wasen fast machen was man will. Statt 3 Jahren Vertrag für Reschke sind es 4 Jahre. Das ist kein Untergang, aber ein weiteres kleines Puzzleteil, das sich so prima zusammenfügt zu dem wie sich der VfB gegenüber seinen Fans und Mitgliedern verhält. Mit der Wahrheit oder einer Kommunikation auf Augenhöhe hat man es einfach nicht mehr so.

Wieso auch Kommunikation selbst machen, dafür hat man doch so dankbare Vasallen wie von der Stuttgarter Presse oder sogar vom SWR. Die haben alles das Prädikat „unabhängig“ schon lange abgelegt und schreiben fleißig für den Sonnenkönig von der Mercedesstraße einen schicken Artikel nach dem nächsten. Was für tolle Arbeit der Präsident doch in seinem ersten Jahr vollbracht hat. Einen schönen Artikel dazu findet ihr bei Chris Prech. Für mich war Journalismus mal irgendwas, wo man auch mal nachhakt, mal recherchiert, aber Wolle scheint den Laden, allen voran sein Kumpel Barner gut im Griff zu haben, dass da ein Gefälligkeitsartikel nach dem nächsten kommt. Kritische Stimmen oder Artikel findet man nur auf diversen Blogs. Leider.

Und wenn man mal kommuniziert oder was durchdringt, wie die Auflösung der Zweiten, dann wird schnell hinterher geschoben, dass man das noch nicht entschieden hat. Der neue Plan für den Unterbau wird im Januar 2018 bekanntgegeben. Natürlich nach der Mitgliederversammlung. Blöd wären sie ja, wenn sie das davor oder sogar dort präsentieren würden. Könnte ja für Diskussionen sorgen, das möchte doch keiner. Generell, über die Zweite sollte man diskutieren. Keine Frage. So wie diese in den letzten Jahren aufgestellt war, so macht es mit Sicherheit keinen Sinn mehr. Und ja, ich bin der Überzeugung, dass ein guter Kicker nicht den Umweg braucht, der ist mit 18 oder 19 entweder soweit, dass er in der Bundesliga kickt oder eben nicht. Ausnahmen gibt es immer, aber für die musst du keine Zweite haben. Was halt wieder nicht passt, da sind wir wieder bei der Kommunikation, dass man ja eigentlich das Ding „jung und wild“ wieder aufpolieren möchte und im Umkehrschluss dann die Zweite überlegt zu streichen. Schöner Nebeneffekt, wenn die Bundesligisten auf die Zweiten verzichten – ein ganz großer Gewinn für die Mannschaften in der 3. Liga oder in den Regionalligen. Das nur am Rande.

Findet ihr alles nicht so schlimm was ich geschrieben habe? Ist doch alles super? Euer gutes Recht und vollkommen in Ordnung. Für mich entfernt sich „mein“ Verein immer mehr von mir oder ich von ihm. Vielleicht brauchen wir zwei mal ne Pause voneinander. Vielleicht leben wir aber auch bald getrennt. Ihr werdet es erfahren.

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