Allgemein, VfB

Rolle rückwärts

Was war das eigentlich für eine schöne Sommerpause. Unser VfB war aufgestiegen, es gab sogar so etwas wie eine zarte Pflanze der Euphorie in und um den VfB Stuttgart. Nicht immer war die erste Saison in der 2. Bundesliga seit 40 Jahren spielerisch grandios, aber am Ende zählte der Aufstieg, es gab viele Siege zu bejubeln und man hatte das Gefühl, dass mit Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser da zwei Herren ihren Job mit Herzblut und vor allem auch sinnvoll erledigten. Sympathieträger Wolf, der bei Fans und Presse gut ankommt und Jan Schindelmeiser der einige interessante Spieler zum VfB lotste und bei dem man das Gefühl hatte, dass da mal wieder einer ist, der einen Plan verfolgt. Die #aoMV möchte ich an dieser Stelle ausklammern, aber selbst diese konnte einer doch überwiegend positiven Stimmung keinen Abbruch tun.

Die Transfers kamen langsam ins Rollen, die ersten Spieler kamen zum VfB und es waren wieder junge – hoffentlich entwicklungsfähige – Spieler. Kein schlechtes Vorgehen, an die dicken Fische kommst du als VfB zur Zeit eh nicht dran. Es wurden, zugegeben noch nicht alle Positionen besetzt, vor allem blieb die Abwehr weiterhin das Sorgenkind des VfB – wie schon die Jahre zuvor, wie schon unter Bobic und Dutt. Und natürlich ist und war unter Schindelmeiser nicht alles eitel Sonnenschein. Das Nichtbesetzen der kritischen Positionen sei hier genannt. Ein Dorn im Auge waren mir aber auch die (gefühlt) vielen Leihen und wie jeder andere Sportdirektor hatte auch Shindy so seinen Leichen im Keller. Julian Green ist zum Beispiel so ein Kandidat, der irgendwie so gar nicht gezündet hat und sein Glück nun in Fürth versucht. Auch Onguéné  ist hier zu nennen, immerhin für 2,5 Mio gekommen und nun mit KO in Salzburg nach einer Liga sucht, die seinem Tempo gewachsen ist. Ob und wie der Kader bzw. das schindelmeisersche Konzept funktioniert hätte, wir hätten es frühestens in einem bis zwei Jahren gesehen.

Die ruhige Sommerpause war dann mit zwei Wochen vor Ende der Vorbereitung zu Ende, mit der Entlassung von Jan Schindelmeiser. Zeitpunkt überraschend. Entlassung überraschend. Alles überraschend. Außer dem Gefälligkeitsartikel von Barner gab es keinerlei Signale, dass Schnindelmeiser auf der Abschussliste stand.  Auch mit einem gewissen Abstand, für die Entlassung gibt es meiner Meinung nach primär einen Grund: Wolfgang Dietrich. Warum? Dietrich konnte und wollte keinen anderen starken Mann neben sich dulden und das war der Hauptgrund für die Entlassung. Alle sonst genannten Gründe sind weder stichhaltig noch irgendwie nachvollziehbar. Zu langsame Verlängerung bei Wolf, den – tataaa – Schindelmeiser holte? Zu wenig Erfolg/Bewegung bei den Junioren? In einem Jahr reparieren was über zig Jahre zerstört wurde – bitte? Die Transfers waren es ja doch nicht oder doch – dazu gibt es auch keine einheitlichen Aussagen von der Mercedesstraße. Unbeliebt, hm, waren aber doch fast alle beim Ausstand dabei. Nein, ich bin überzeugt, der Sonnenkönig duldete niemand neben sich. Ein Präsident, der vor der offiziellen News auf der Homepage des VfB über Neuverpflichtungen berichtet. Natürlich mit ihm auf dem Bild und dem neuen Spieler – der drängt sich einfach zu stark in den Vordergrund, nimmt sich wichtiger, als ein Präsident sich nehmen sollte.

Und danach? Badstuber, der ein tolles Heimdebüt ablieferte war noch eine Schindelmeiser Verpflichtung. Ascacibar war dem VfB Scouting schon lange bekannt, sprich auf der Liste. Für Aogo brauch ich weder Netzwerk, noch überhaupt nen Sportdirektor um den zu holen, gleiches gilt für Beck. Zugegeben, die Transferphase war für Reschke jetzt nicht sehr lang – immerhin aber noch vier Wochen, aber es ist jetzt nicht so, dass man da den Hut ziehen muss vor irgendeinem Transfer. Es ist da nichts dabei oder passiert, was eine Entlassung von Schindelmeiser gerechtfertigt hätte, nach dem Motto „das hätte der Jan nicht geschafft“. Man möge Vergleiche mit Schindelmeiser vor einem Jahr ziehen, der in gut zwei Wochen mehr Transferzeit u.a. Pavard und Mané aus dem Hut zauberte und noch einige Altlasten von Dutt entsorgen konnte. Nochmal: bei Schindelmeiser gab es auch Schatten, keine Frage. Ich bleibe aber dabei, dass die Entlassung und vor allem der Zeitpunkt der Entlassung mehr als ungeschickt waren.

Bei Reschke wird ja immer sein Netzwerk hervorgehoben. Ich frage mich halt, was dir ein Netzwerk bringt, wenn du davor für Bayer Leverkusen oder Bayern München Verpflichtungen getätigt hast? Da hast du vielleicht ganz andere Kontakte, weil du mit ganz anderen Summen hantierst, wie Reschke es jetzt beim VfB tun muss.

Erstaunlich ist nebenbei bemerkt auch, dass seit der Entlassung von Schindelmeiser wieder viel viel mehr Namen durch die Presse geisterten wie zuvor. Die Maulwürfe scheinen wieder an der Mercedesstraße graben zu dürfen.

Vorbei die Ruhe, vorbei für mich auch gefühlt der Plan, das Konzept welches verfolgt wurde. Mit Beck und Aogo bewegen wir uns bei den Transfers aber wieder zurück in Bobic und Dutt Zeiten. Die Jungs mögen uns aktuell weiterhelfen, sind auch keine schlechten, aber der zuvor verfolge Ansatz hatte mir deutlich besser gefallen. Ich hoffe (noch), dass es keine komplette Rolle rückwärts ist.

Mit jedem Tag Dietrich als Präsident schwindet die Hoffnung allerdings.

 

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Ein Gedanke zu “Rolle rückwärts

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