VfB

Abstieg.

Mein Therapeut meinte, es würde mir gut tun, wenn ich meine Gedanken niederschreibe. Es fällt mir nur schwer, das was ich in den letzten Wochen, Monaten und eigentlich auch Jahren erlebt habe manchmal in Worte zu fassen. Ohne komplett ausfallend zu werden. Mittlerweile ist eine Nacht vorbei nach dem 2:6 Debakel in Bremen. Eine Nacht mit ungefähr zwei Stunden Schlaf. Irgendwann spät nach Mitternacht eingeschlafen, wieder aufgewacht, lange wach gelegen, wieder eingeschlafen, aufgewacht bis irgendwann 6 Uhr morgens war. Der Verein bringt mich mal wieder um den Schlaf, kostet mich Nerven – warum musste es überhaupt so weit kommen.

Die Gründe dafür sind eindeutig mehr als vielschichtig. Fangen wir mal mit der aktuellen Saison an und der aktuellen zweiten Misere dieser Saison. Die erste Saison ging auf das Konto von Zorniger, mit dem wir großteils attraktiven, aber erfolglosen Fußball spielten. Am Ende sprangen ein paar Siege raus, aber es war nicht genug und ein desolates 0:4 gegen Augsburg kostete den Kopf von unserem neuen Trainer, der alles anders machen wollte, der alles ändern wollte. Er hatte versuch die „Mannschaft“ aufzuräumen, hatte Niedermeier und andere kalt gestellt, aber nicht die Rechnung mit der vorhandenen Macht der Herren gemacht, die nicht mehr so zum Zuge kamen. Meiner Meinung nach zu früh hat also Dutt hier die Reißleine gezogen und das Konzept (mal wieder) über den Haufen geworfen. Einen gewissen Anteil an den Rauswurf kann sich auch die liebe Stuttgarter Presse (StN/StZ) auf die Fahnen schreiben. Zorniger wurde recht schnell, recht deutlich angegangen. Öffentliche Kritik an Niedermeier oder Werner von der schreibenden Zunft zerrissen und Zorniger angezählt. Das Resultat ist bekannt und dann kam da Kramny, als Interimslösung.

Ist natürlich ein netter Kerl, pflegeleicht, umgänglich. Was hatte Kramny bis dahin vorzuweisen? Vorsichtig gesagt: nichts. Das ist im ersten Schritt mal eigentlich nicht schlimm, andere Trainer hatten das auch nicht, bevor sie in der Bundesliga anfingen. Aber Moment, schauen wir mal auf das was Kramny davor gemacht hatte. Drei bis vier Jahre die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart auf traurigem spielerischen Niveau gehalten. Jahrelang ging es hier auch nur gegen den Abstieg. Auch schon dort war kein wirkliches Konzept, eine Spielidee zu erkennen. Da hätte es eigentlich den Herren Dutt und Co. schon wie Schuppen von den Augen fallen müssen, dass das vielleicht nicht die beste Wahl für einen untrainierbaren Haufen ist. Aber nach dem 3:1 gegen auswärtsschwache, ach generell schwache Wolfsburger war klar: der bleibt, Cheftrainer!

Autsch. Die Rückrunde ging dann ja auch wirklich gut los. Siege, Spiele die Spaß machten zuzuschauen. Viele sagte schon damals, das ist das wie Zorniger sich das vorgestellt hatte. Richtig, es war das System Zorniger mit mehr Absicherung nach hinten und vor allem mit mehr Glück in den entscheidenden Situationen. Die Bälle gingen halt rein, die Schiris haben mal eher für den VfB gepfiffen. Und da konnte die Stuttgarter Presse endlich Niedermeier und Kramny und Co. feiern. Und das taten sie auch ausführlich.

Der Knackpunkt ist und bleibt für mich das Hannover Spiel. Die Mannschaft dachte es geht auch so, gegen den 18., mit etwas weniger als die Wochen zuvor. Von dem Knacks haben sie sich bis heute nicht erholt und Kramny hat keine Wege gefunden a) ein eigenes Spielsystem einzuführen und b) die Mannschaft irgendwie wieder im Kopf auf Vordermann zu bringen. Vollstes Versagen seit Wochen, bei den Aufstellungen, bei der Taktik, einfach überall. Da sitzt ein lebloser Trainer auf der Bank und schaut sich an, wie seine Mannschaft mit 2:6 gegen den Tabellenvorletzten baden geht. Alles aber auch nicht überraschend. Wenn Kramny vor der Mannschaft ähnlich hilflos wie auf den Pressekonferenzen auftritt und dort den gleichen Schmuh verzapft, braucht man sich nicht wundern. Das hat mit Motivation und Einstellung nichts, aber auch gar nichts zu tun. Das kann sein kongenialer Partner Robin Dutt auch prima. Laut Aussagen von Dutt gestern in der Mixed Zone, kann man der Mannschaft keinen Vorwurf machen bzgl. der Einstellung und der Trainer hat auch keine Schuld, sind halt zu viele Verletzte und man war nicht eingespielt. Alleine die Aussagen sind Grund genug Dutt sofort vom Hof zu jagen. Teeren und federn wäre davor noch eine Option, aber dann halt vom Hof. Wie kann man so vor der Realität die Augen verschließen? Und das gilt für alle handelnden Personen und auch für die, die auf dem Platz stehen. Schwaab faselte irgendwas von, man muss ja nur zweimal gewinnen – ist noch alles drin. Rechnerisch mag das stimmen, aber auch wirklich nur rechnerisch.

Es gibt noch genau einen allerletzten kleinen Strohhalm an den ich mich klammern mag: Kramny (und auch Dutt) noch heute vom Hof zu jagen. Vielleicht bringt ein neuer Trainer noch für die zwei Spiele den Impuls, den die „Mannschaft“ benötigt. Diesen Trainerwechsel nicht vorzunehmen ist absolut fahrlässig. Mit Kramny holen wir genau noch null Punkte. Erstaunlich ist, dass Dutt so an Kramny festhält. Ja, sein Arsch hängt mit dran. Aber dann muss es Wahler (okay, tut mir leid, er auch nicht) und/oder der Aufsichtsrat kapieren: es ist die allerletzte Chance noch was zu retten. Die „Mannschaft“ ist lebloser und kaputter und taktisch komplett am Arsch, als sie es unter Zorniger war, aber Dutt hält an Kramny fest. Und auch die werte Stuttgarter Sportpresse sägt nicht an seinem Stuhl. Warum? Auch Kramny hat öffentlich Spieler kritisiert, die Abwehr ist schlimmer als je zuvor (es gab keine 6 Gegentore unter Zorniger – nur mal so am Rande), aber die Presse schweigt.

Da kommen wir wieder zum Anfang, wer hat Schuld an der Misere. Es sind beim VfB ganz arg viele Puzzleteile, die zum folgenden Abstieg geführt haben. Um alle die davor beteiligt waren wie Mäuser, Hundt, Bobic, Heldt werde ich mich ein anderes mal kümmern. Und besser als der Tweet kann man das eh nicht zusammenfassen:

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4 Gedanken zu “Abstieg.

  1. Nein, nein, ich bin aus Freiburg und verstehe die schwäbische Seele voll und ganz und kann diesem Beitrag nur beipflichten und ich empfinde keine Schadenfreude. Damit spreche ich auch für viele Badener und wir wissen was Abstieg bedeutet. Ich habe Dutt noch nie gemocht, auch nicht zu Freiburger Zeiten. Er hat schon etwas bewirkt beim SC, aber so den ganz großen Durchbruch hat er dort auch nicht geschafft. Viele waren froh, als er gegangen ist. Er wollte schon immer etwas höher hinaus. Dass er aber Freiburger Spieler nach Leverkusen und Bremen geholt hat, da er die Verträge kannte, hat auch immer ein Schmäckle. Ich drücke für die letzen Spiel beide Daumen.

  2. Hallo Oli, überrascht mich jetzt, dass Dutt in Freiburg so kritisch gesehen wird. Ich habe die Zeit als nicht ganz schlecht in Erinnerung, kann mich aber auch täuschen. Ist nun auch schon ne Weile her. Aber das „Streben nach Höherem“ hatte er schon, das stimmt. Kickers, SCF, Leverkusen. Danke für das Daumendrücken, ich hoffe es hilft und wir sehen uns nächste Saison in der Bundesliga.

  3. Hallo Martin, na ja, wie ich es geschrieben habe, Dutt hatte tatsächlich 2 Jahre eine gute Zeit in Freiburg, aber zum Schluß waren auch alle froh, als er weg war. Ich bin in erster Linie mal ein Sportsmann und so denke ich auch. Deswegen finde ich Schadenfreude auch völlig unangebracht im Fußball oder sonst wo, aber natürlich kann ich da nur für mich sprechen, weiß aber sehr wohl, dass es auch andere Stimmen gibt. Es wäre schade, wenn unsere Vereine nächstes Jahr nicht gegen einander spielen. Cross my fingers.

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